Das Deutsche Kinderhilfswerk lehnt das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld ab. „Einerseits frühkindliche Bildung auszubauen und andererseits Eltern mit 150 Euro pro Kind zu überreden, diese nicht in Anspruch zu nehmen, ist idiotisch“, sagte der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, der „Frankfurter Rundschau“. Die Pläne seien ein „Schmarrn“.

Krüger sagte weiter, in Deutschland werde das Recht der Kinder auf Förderung und Bildung verletzt. Studien hätten gezeigt, dass hierzulande immer dieselben Gruppen benachteiligt würden. Dazu zählten Kinder aus Migrantenfamilien, „vor allem jene aus sozial benachteiligten sowie aus orientalischen Familien“.

Individuelle Förderung und längeres gemeinsames Lernen, auch gegen „die Besitzstandswahrer unter den Eltern“, könnten Abhilfe schaffen, sagte Krüger laut Vorabmeldung der Zeitung. Er forderte auch, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.

Das Kinderhilfswerk stellt am Mittwoch in Berlin den Kinderreport 2010 vor, in dessen Mittelpunkt die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland steht.

Union und FDP streiten derzeit noch über das Betreuungsgeld, das ab 2013 für Zuhause versorgte Kleinkinder fließen soll. Während die FDP dafür Gutscheine ausgeben will, verlangt die CSU die Auszahlung in bar.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) wies darauf hin, dass es im Streit über das Betreuungsgeld keinen Zeitdruck gibt. „Die Antworten stehen erst 2013 an, wenn wir genügend Kitaplätze und einen Rechtsanspruch darauf für alle Familien haben“, sagte sie im ARD-“Morgenmagazin“.

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Christian Wulff will in dem Streit offenbar vermitteln. Der niedersächsische Ministerpräsident ist laut der "Nordwest-Zeitung" offen dafür, über das Gutscheinmodell zu sprechen. Wulff verteidigte zugleich das Betreuungsgeld grundsätzlich. „Die vehemente Kritik der FDP finde ich falsch, weil sie die Erziehungsleistung in Familien nicht zureichend anerkennt“, sagte der CDU-Politiker der Zeitung. „Wir dürfen Eltern, die zu Hause betreuen, nicht im Stich lassen.“ Es werde viel Geld in Tagesmütter und Krippenausbau investiert. Man müsse aber auch „die enorme Erziehungsleistung von Vätern und Müttern zu Hause“ anerkennen, verlangte Wulff.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wiederum gab erstmals seine Bereitschaft für die Ausgabe von Gutscheinen in Ausnahmefällen zu erkennen. „Das Betreuungsgeld kommt und es kommt in bar“, sagte Seehofer dem „Handelsblatt“. Jedoch gebe es Fälle, in denen die Auszahlung als Gutschein die bessere Lösung sei.

„In den wenigen Fällen, wo ein Gutschein überhaupt in Frage kommt, wird sich eine Lösung finden. Das könnten etwa Familien sein, die bereits beim Jugendamt besonders auffällig geworden sind“, sagte Seehofer.

Das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder zuhause erziehen, war auf Betreiben der CSU in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden. Vor allem die FDP hält angesichts eines möglichen Missbrauchs eine Auszahlung als Gutschein für sinnvoll.

AP/ddp/dpa/cn