Mit der Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate stehen wir vor einem Paradigmenwechsel. Wehrpflichtige Soldaten haben bisher zur Funktionsfähigkeit der Streitkräfte beigetragen und dadurch die Einsatzkräfte entlastet. Ein Teil von ihnen hat den Wehrdienst freiwillig verlängert und stand für Auslandseinsätze zur Verfügung.

Bei künftig nur sechs Monaten Ausgangsdienstzeit wird beides schwieriger und womöglich zur Ausnahme werden. Auch eine Ausbildung von Reservisten für die Einsatzkräfte als Sicherheitsvorsorge scheint dann fragwürdig. Ein Weiter-so mit verkürzter Dienstzeit verbietet sich also. Es gibt aber einen Bereich, der in der heutigen Bundeswehrstruktur ungenügend abgebildet ist: der Schutz der Bevölkerung in Deutschland selbst.

Es gibt sowohl Führungsstrukturen als auch Materialdepots, aber keine speziell dafür vorgesehenen Kräfte. Wehrpflichtige Soldaten hätten hier eine eigenständige Aufgabe, die sie als Reservisten nahtlos fortsetzen könnten. Die Ausbildung würde außer Sicherung und Objektschutz Tätigkeiten umfassen, die in kleinen oder großen Katastrophen gebraucht werden.

Wehrpflichtige können hierfür sofort zur Verfügung stehen, ohne Einsatzkräfte zu binden. Den Wehrdienst auf diese oder eine andere Weise auch künftig sinnvoll zu gestalten wird allerdings Geld und Personal kosten. Steht dies nicht zur Verfügung, ist es besser, ganz darauf zu verzichten.

Die Dauer des Zivildienstes folgt dem Wehrdienst. Auch hier wird es gelten, neue Wege zu gehen. Manche Tätigkeiten verbieten sich schon heute, weil Ausbildung und Einsatz zeitlich in keinem vertretbaren Verhältnis mehr stehen. Dennoch bietet auch ein verkürzter Zivildienst Chancen für junge Menschen und die betroffenen Organisationen.

Zivildienstleistende können nach wie vor mit einfachen, aber wichtigen Betreuungsaufgaben und Dienstleistungen betraut werden, zum Beispiel Hilfeleistungen in Ergänzung zur ambulanten oder stationären Pflege, und damit den Sinn ihres Dienstes für die Gesellschaft direkt erfahren.

Für die Organisation bleibt ein einfacher Zugang zur jungen Generation erhalten und für diese eine einfache Brücke zum Ehrenamt. Eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes muss aber möglich bleiben, auch die Verbindung zum freiwilligen sozialen Jahr darf nicht aufgegeben werden.

Mit einer Verkürzung der Dienstzeit sind einige Herausforderungen verbunden – eine Katastrophe für die betroffenen Organisationen ist sie nicht.

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Der Autor ist ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr und seit 2001 Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe