Eigentlich wollten sie nur über die inszenierten Feiern zum 65. Geburtstag der regierenden Partei berichten. Doch dann verließen die beiden Reporter der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) Jean H. Lee und Vincent Yu (Fotograf) den Tross der ausländischen Journalisten.
Auch wenn ein Aufpasser der Regierung weiterhin ein Auge auf die beiden hatte: Wie Lee berichtet, konnten sie einen ungewohnten Blick auf den Alltag in der Hauptstadt Pjöngjang werfen. Mittagessen gab es in einem der traditionellen nordkoreanischen Restaurants. Anstatt Wechselgeld gab es japanische Süßigkeiten zurück. Beim Picknick am Fluss quatschten sie mit den Menschen. Und erst am Abend ging es für die beiden im Hotel zurück in die abgeschlossene Welt der ausländischen Presse.
Was die Repoter stutzig machte: die Idylle, die sich ihnen während des Ausflugs oftmals zeigte. Diese bricht mit dem Bild, das sie zuvor vom Land hatten. Lee schreibt über die desolate Lage. Dass der Durchschnittslohn nur wenige US-Dollar im Monat betrage und dass viele mit Unterernährung kämpften. Das sind die Zahlen, die er kennt. Die Bilder sprechen eine andere Sprache: "Vielleicht trifft das nicht auf Pjöngjang zu, die Hauptstadt, das Vorzeigeobjekt", schreibt Lee.
mbd


