Ungeachtet scharfer Proteste aus Tokio hat der russische Präsident Dmitri Medwedjew die zwischen Japan und seinem Land umstrittenen Kurilen-Inseln besucht. Medwedjew traf nach Angaben eines AFP-Korrespondenten auf der Insel Kunashir ein, einer von vier Inseln, auf die Japan Anspruch erhebt. Es ist der erste Besuch eines russischen Staatschef seit 1945.

Medwedjew hatte seinen Besuch bereits Ende September angekündigt und damit den Streit mit Japan neu entfacht. Die vier von Japan beanspruchten Inseln seien ein „sehr wichtiger Teil“ Russlands, sagte er damals. Vergeblich hatte der japanische Außenminister Seiji Maehara gewarnt, eine solche Reise würde die Beziehungen beider Länder „tief verletzten“. Ministerpräsident Naoto Kan bezeichnete Medwedjews Entscheidung als „sehr bedauerlich“.

Die Kurilen liegen zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido. Die insgesamt 56 Inseln werden seit Ende des Zweiten Weltkriegs vollständig von Moskau kontrolliert. Der Streit um vier der Inseln verhindert seit 65 Jahren die Unterzeichnung eines bilateralen Friedensvertrags. Zwar wurden die Verhandlungen um die Inseln nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wieder aufgenommen, bis heute fand sich jedoch keine Lösung.

Am 12. November reist Medwedjew zum Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) nach Japan.

AFP/cc