Nato-Gipfel

Regierung glaubt nicht mehr an Sieg in Afghanistan

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Der Westen habe sich zu lange Illusionen hingegeben, sagt der Sonderbeauftragte Michael Steiner: "Es kann keine militärische Lösung geben."

Die Bundesregierung geht offenbar nicht davon aus, dass der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen ist, obwohl die Alliierten unter Führung der USA immer mehr Soldaten an den Hindukusch geschickt haben. Vor dem Nato-Gipfel in Lissabon sagte der deutsche Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Michael Steiner: „Jeder weiß, dass es in Afghanistan keine militärische Lösung geben kann.“

Der Westen habe sich zu Afghanistan in der Vergangenheit Illusionen hingegeben, doch jetzt werde ein realistisches Ziel verfolgt: hinreichende Stabilität in Afghanistan und Gewährleistung essentieller Menschenrechte. Zwar gebe es militärische Erfolge, aber im Kern notwendig sei eine innerafghanische politische Lösung, eine Versöhnung der Gegner. Dazu gebe es keine Alternative.

Sollte der Einsatz von insgesamt 48 Staaten in Afghanistan scheitern, drohe dem Land und der ganzen Region ein Chaos. Zur Rolle der radikal-islamischen Taliban sagte der Regierungsbeauftragte, sie könnten nur dann in eine politische Lösung einbezogen werden, „wenn sie den Verfassungsrahmen anerkennen, der Gewalt abschwören und ihre Beziehungen zu al Quaida und anderen terroristischen Organisationen kappen“. Ohne die Anschläge vom 11. September und die terroristischen Aktivitäten von al Quaida hätte es keinen Einmarsch der westlichen Truppen in Afghanistan gegeben. „Ich hoffe, bei den Taliban setzt sich die Einsicht durch, dass eine Trennung vom internationalen Terrorismus unverzichtbar ist“, sagte Steiner.

( dapd/nt )