Afghanistan

Karsai verlangt Einschränkung der US-Einsätze

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Nächtliche Razzien der US-Armee will Hamid Karsai in seinem Land nicht mehr sehen. Einheimische Kräfte sollen einspringen.

Wenige Tage vor dem Nato-Gipfel hat der afghanische Präsident Hamid Karsai eine Einschränkung des US-Einsatzes verlangt. Vor allem die nächtlichen Kommandoeinsatze und Razzien müssten aufhören, verlangte Karsai in der „Washington Post“ und stellte sich damit gegen US-Oberbefehlshaber David Petraeus, der auf nächtliche Einsätze zur Gefangennahme und Tötung von Rebellen setzt.

Die Nato berät kommende Woche über die Lage in Afghanistan. Auch die USA wollen in Kürze die Weichen für eine neue Afghanistan-Strategie stellen. Es wird aber erwartet, dass Präsident Barack Obama an seinen Plänen festhält, von Mitte 2011 an die Truppen schrittweise abzuziehen.

Karsai forderte schon jetzt, die sichtbare Präsenz der US-Truppen in seinem Land einzuschränken. „Die Zeit ist gekommen, die Militäroperationen zu begrenzen.“ Die Eingriffe in den Alltag der Bevölkerung müssten weniger werden. Falls diese Einsätze in der Nacht nötig seien, dann müssten sie von den afghanischen Sicherheitskräften und nach den afghanischen Gesetzen unternommen werden. Karsai wollte seine Forderung nicht als Kritik verstanden wissen, dennoch steht sie im Gegensatz zur US-Strategie nächtlicher Aktionen gegen die Taliban. Bei diesen Kommandoeinsätzen wurden der „Washington Post“ zufolge allein in den vergangenen drei Monaten 368 Aufständische gefangengenommen oder getötet.

Die Taliban demonstrierten derweil ihre wiedergewonnen Stärke und griffen im Osten Afghanistans Nato-Posten an. Bei einem von vier Attentaten binnen 24 Stunden kamen im nördlich gelegenen Kundus mindestens zehn Zivilisten ums Leben – darunter drei Kinder. Zuvor wehrten Nato-Soldaten am Samstag einen Angriff der Rebellen auf einen Flughafen in Dschalalabad im Osten Afghanistans ab. Im ebenfalls östlich gelegenen Kunar lieferten sich afghanische und internationale Truppen stundenlange Gefechte mit Aufständischen. Neun Rebellen wurden getötet, wie die Isaf mitteilte. Im Süden wurden außerdem drei Isaf-Soldaten getötet.

Die Bundesregierung will das Afghanistan-Kontingent nicht schon 2011 reduzieren. Im nächsten Jahr beginne zunächst die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Stellen, sagte Außenminister Guido Westerwelle im Deutschlandfunk. „Dann sind wir hoffentlich in der Lage, im Jahr 2012 – so ist unser Plan - zum ersten Mal auch unsere Truppenkontingente zurückzuführen.“ Nach einem Bericht des „Spiegel“ haben sich die zuständigen Minister bei einem Spitzentreffen mit Kanzlerin Angela Merkel darauf verständigt, das Mandat mit einer Obergrenze von 5000 Soldaten und einer flexiblen Reserve von 350 zusätzlichen Soldaten Anfang nächsten Jahres zu verlängern.

Wenn die Regierung im nächsten Jahr nicht mit der Reduzierung der Truppen beginnt, droht ihr Ärger mit der SPD. Deren Europaabgeordneter Martin Schulz forderte im „Spiegel“, der Abzug der deutschen Truppen müsse 2011 beginnen. Vor der Verlängerung des Mandats im Januar müsse die Regierung dafür einen „konkreten und präzisen Fahrplan“ vorlegen, forderte das Mitglied des SPD-Präsidiums.

( Reuters/cn )