Neue Proteste

Tunesiens Regierungschef Ghannouchi tritt zurück

Seit Tagen wird gegen Tunesiens Übergangsregierung demonstriert. Nun legte Regierungschef Ghannouchi sein Amt nieder. Sein Nachfolger steht schon fest.

Foto: AFP

Nach neuerlichen Straßenprotesten in Tunesien in den vergangenen Tagen hat Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi am Sonntag seinen Rücktritt erklärt. Als sein Nachfolger wurde einige Stunden später der Jurist Béji Caïd Essebsi benannt.

Bei den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Hauptstadt Tunis waren nach Behördenangaben mindestens vier Menschen ums Leben gekommen.

Zehntausende Menschen gingen am Samstag gegen die Interimsregierung auf die Straße. Sie befürchten, dass die neue Regierung die versprochenen Reformen nicht durchführt. Nach Auseinandersetzungen mit steinewerfenden Jugendlichen ging die Polizei unterstützt von gepanzerten Fahrzeugen mit Tränengas und Warnschüssen gegen die Demonstranten vor. Erstmals seit dem Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali am 14. Januar sperrten die Behörden die zentrale Bourgiba-Allee bis zum späten Sonntagabend für Fahrzeuge und Fußgänger.

Innerhalb von zwei Tagen wurden nach offiziellen Angaben fast 200 Menschen festgenommen. Das Innenministerium machte Provokateure unter den ansonsten friedlichen Demonstranten für die Zusammenstöße verantwortlich. Sie hätten die jungen Leute als menschliche Schilde missbraucht, hieß es am Samstag.

Der 69-jährige Ghannouchi war ein langjähriger Verbündeter von Präsident Ben Ali, der nach seinem Sturz nach Saudi-Arabien flüchtete. Ghannouchi wollte das Land bis zur Abhaltung von Wahlen führen, die er für den Sommer erwartet werden. Er war unter Ben Ali elf Jahre lang Ministerpräsident.

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