Rassistische WM-Aktion

NPD-Chef bestreitet Volksverhetzung gegen Owomoyela

Zur WM 2006 hatte die NPD mit einer PR-Aktion den dunkelhäutigen Nationalspieler Owomoyela beleidigt. Im Prozess bestritt Parteichef Voigt die Vorwürfe.

In einem Berufungsprozess hat der NPD-Vorsitzende Udo Voigt (58) den Vorwurf der Volksverhetzung und Beleidigung bestritten. Vor dem Berliner Landgericht wiesen auch der Leiter der Rechtsabteilung, Frank Schwerdt (66), und Klaus Beier (44) als Pressesprecher der rechtsextremen NPD die Anklage zurück.

Voigt und die beiden Spitzenfunktionäre werden für einen von der NPD verfassten Terminplaner zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verantwortlich gemacht, auf dem der dunkelhäutige Bundesligaspieler Patrick Owomoyela rassistisch beleidigt worden sein soll. Ohne den damaligen Nationalspieler direkt zu zeigen, wurde seine Trikotnummer 25 abgebildet. Auf dem Flyer stand außerdem „Weiß. Nicht nur eine Trikot-Farbe. Für eine echte Nationalmannschaft“.

Owomoyela und der Deutsche Fußballbund hatten Anzeige erstattet. Der 31-jährige Fußballprofi sagte als Zeuge, Journalisten hätten ihm den Flyer gezeigt. „Ich war bestürzt und entsetzt“, erinnerte sich der jetzige Spieler des Bundesliga-Erstligisten Borussia Dortmund. Vor der NPD-Kampagne habe er sich noch nie im Leben auf so eine Art rassistisch angegriffen gefühlt, fügte der frühere Nationalspieler hinzu.

NPD-Chef Voigt widersprach, dass es eine Diffamierung gegeben habe: Owomoyela sei nicht gemeint gewesen, er habe den Fußballer nicht gekannt. Der Flyer richte sich gegen die multi-kulturelle Gesellschaft und den modernen Sklavenhandel im Fußball.

Ein dunkelhäutiger Spieler könne in der Nationalmannschaft spielen, wenn er Deutscher sei, sagte Voigt. Die Angeklagten wehren sich gegen eine Verurteilung durch das Amtsgerichts Berlin-Tiergarten vom April 2009. Sie erhielten Bewährungsstrafen von sieben bis zehn Monaten und sollten jeweils 2000 Euro an die Kinderschutzorganisation Unicef zahlen.


Bundesregierung: Fusion von NPD und DVU nicht rechtskräftig

Die NPD ist zurzeit auch wegen der geplanten Fusion mit der ebenfalls rechtsextremen Deutschen Volksunion (DVU) Thema. Laut Bundesregierung ist der Zusammenschluss noch nicht vollzogen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne nicht von einer „endgültig rechtswirksamen Fusion von NPD und DVU ausgegangen werden“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken.

Demnach hat das Landgericht München bereits im Januar 2011 einem Antrag der Fusionsgegner innerhalb der DVU auf einstweiligen Rechtsschutz stattgegeben. Dieser untersage es ihrem Bundesparteivorsitzenden Matthias Faust, den Verschmelzungsantrag mit der NPD zu unterschreiben. Eine Entscheidung im Hauptsacheverfahren stehe aber noch aus, heißt es in der Antwort.

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