Trotz wiederholter Ermahnungen des UN-Kriegsverbrechertribunals will der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic auch am nächsten Verhandlungstag nicht zu seinem Prozess erscheinen. „Er wird am Montag nicht da sein“, sagte Karadzics juristischer Berater Marco Sladojevic am Mittwoch telefonisch nach einem Treffen mit dem 64-jährigen Angeklagten, der in Scheveningen, einem Vorort von Den Haag, inhaftiert ist.

Wenn am kommenden Dienstag aber eine Verfahrensfrage, nämlich über das weitere Vorgehen im Fall einer fortdauernden Abwesenheit Karadzics, verhandelt werde, werde Karadzic „sehr wahrscheinlich“ an der Sitzung teilnehmen. Dazu müsse der Richter O-Gon Kwon aber noch genauere Angaben machen.

Karadzic, der sich selbst verteidigt, war bereits zu den ersten Prozesstagen am Montag und Dienstag nicht erschienen und begründete dies damit, dass er mehr Vorbereitungszeit für seine Verteidigung brauche. Das Haager Tribunal hatte Karadzic bei anhaltendem Widerstand mit Zwangsmaßnahmen gedroht.

Am Dienstag soll entschieden werden, wie bei einem weiteren Fernbleiben des Angeklagten verfahren wird. Falls das Gericht ihm einen Pflichtverteidiger zuweist, der sich dann erst einarbeiten müsste, würde sich das Verfahren weiter verzögern.

Karadzic muss sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Die Anklageschrift gegen Karadzic umfasst elf Punkte. Im Mittelpunkt steht das Massaker von Srebrenica, bei dem rund 8000 muslimische Jungen und Männer getötet wurden. Die Klagen beziehen sich auch auf die mehrjährige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen. Karadzic war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre langen Versteckspiel in Belgrad gefasst worden.

Unterdessen wurden in Bosnien drei ehemalige bosnisch-serbische Polizisten festgenommen, die 1995 an dem Massaker von Srebrenica beteiligt gewesen sein sollen. Die Männer seien am Mittwoch in der Gegend von Srebrenica und von Bijeljina gefasst worden, verlautete aus Polizeikreisen. Nach Angaben des bosnischen Fernsehens sind die Verdächtigen 43, 49 und 54 Jahre alt.

AFP/cl