Doktorarbeit

Das Netz sucht Plagiate von zu Guttenberg

Eine Web-Plattform sammelt Verdachtsfälle und dokumentiert Textstellen aus der Doktorarbeit des Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Ansturm war so groß, dass man zwischendurch die Website wechseln musste.

Foto: Guttenplagwiki

Die Suche nach geklauten Textpassagen in der Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) läuft jetzt auch im Internet weiter. So wird auf einer Plattform bei Google dazu eingeladen, an „einer kollaborativen Dokumentation der Plagiate“ mitzuarbeiten.

Das Angebot von @PlagDoc wurde offenbar rege in Anspruch genommen. Denn die Seite mit dem Titel: Eine kritische Auseinandersetzung mit Karl-Theodor Freiherr zu Guttenbergs Dissertation „Verfassung und Verfassungsvertrag“ konnte wegen Überlastung am späten Vormittag zunächst nur noch schreibgeschützt aufgerufen werden. Später wurde eine zweite Webseite für die Schummel-Recherche eröffnet . Der Ansturm auf die erste Website sei zu groß gewesen, darum sei die Seite umgezogen, hieß es zur Begründung.

Die kollaborative Netz-Recherche habe "nichts mit politischer Ausrichtung, persönlicher Schmutzkampagne oder ähnlichem zu tun", heißt es dort weiter. Ziel ist demnach "die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern". Zugleich wird gewarnt, die Sammlung von Zitaten aus der Guttenberg-Dissertation und ihren Abgleich mit angeblichen Fundstellen überzubewerten. "Diese Zusammenstellung basiert in Teilen auf Berichten aus zweiter Hand. Es kann sein, dass Textstellen nicht korrekt wiedergegeben wurden".

Die einzelnen Einträge werden dabei von den Machern der Website kontrolliert und kommentiert - wie etwa die Passage, die Guttenberg angeblich aus einem Zeitungsbeitrag des Philosophen Jürgen Habermas abgeschrieben haben soll . Weil die besagt Stelle eine Fußnote aufweist, zudem auf Habermas Bezug genommen wird und desse Gedankengang wiederum indirekt zitiert wird, handele es sich kaum um eine unlautere Kopie: "Solch eine Stelle ist wohl nur schwerlich als Plagiat einzustufen. Jeder Dozent der Geisteswissenschaften empfiehlt die indirekte Zitierweise."

Man müsse mit Vorwürfen "sehr vorsichtig sein, da ein solches Vorgehen in den Geisteswissenschaften Usus ist und - zumindest hier - kein Vergehen gegen wiss. Konventionen vorliegt." Inzwischen wird auf der Plattform ein Aufruf an Guttenberg vorbereitet, mit dem der Minister um eine Stellungnahme ersucht werden soll. Die Idee stammte von einem Doktoranden der Berliner Humboldt-Universität. Wissenschaftler sollen zur Unterzeichnung des Aufrufs gewonnen werden.

Nach Einschätzung von Meinungsforschern kann der Plagiatsvorwurf für den Bundesverteidigungsminister sehr gefährlich werden. „Die wichtigste Politikereigenschaft ist das Vertrauen. Wer das verspielt, hat ein Problem“, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner, am Donnerstag. Dies könne gerade Guttenberg treffen. Denn er genieße eine hohe Popularität gerade weil er als authentisch, offen und vertrauenswürdig wahrgenommen werde.

Entscheidend sei nun, wie unabhängige Institutionen die Plagiat-Vorwürfe in der Doktorarbeit Guttenbergs einstuften und ob er selbst den Eindruck erwecke, die Vorwürfe lückenlos und nicht mit einer „Salamitaktik“ aufklären zu wollen. Wenig Einfluss misst Schöppner dagegen Angriffen des politischen Gegners zu. „Wenn nun bereits der Rücktritt gefordert wird, ist dies eine Spur zu mächtig und kann kontraproduktiv wirken.“