Interne E-Mails

Wenn die NPD für "Kevin und Mandy" plakatiert

60.000 interne E-Mails der NPD sind öffentlich geworden. Sie zeigen: Die Partei ist rassistischer, als sie sich gibt – und hält die eigenen Wähler für dumm.

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"Vorsicht! Feind liest mit!" So reagiert die rechtsextreme NPD auf ihrer Homepage auf Berichte über parteiinterne E-Mails. Mehr als 60.000 dieser Mails waren Medien wie dem "Spiegel" und der "taz" anonym zugespielt worden. Sie entlarven die wahre Gesinnung vieler Parteimitglieder, die sich vordergründig als Demokraten und Biedermänner gerieren.

So unterschreiben offenbar mehrere Anhänger ihre Mails mit – zum Teil verbotenen – Grußformeln, die sich auf den Nationalsozialismus beziehen. "Mit deutschem Gruß" schloss laut "taz" der Pressesprecher der NPD Krefeld eine Mail. Prompt sei er zur Vorsicht gemahnt worden.

"Zu deinem eigenem Schutz und dem deiner Kameraden möchte ich dich auffordern, diese Grußformel nicht mehr zu benutzen", habe ein Parteifreund reagiert. Ein sogenannter "Stützpunktführer", so der "Spiegel", habe eine Mail sogar mit "Heil Hitler" begonnen und mit "Heil Germania" beendet. Dies wurde anderen offenbar zu gefährlich: Der Mann müsse "so drastisch, wie er sich ausdrückt, entweder verrückt oder ein 'Agent Provokateur' sein, den wir nicht dulden können", zitiert das Magazin eine Reaktion.

Nicht immer ist die Gesinnung so offensichtlich.Thomas Wulff, NPD-Bundesvorstandsmitglied, unterschreibt laut "taz" schon mal mit "88", dem rechtsextremen Kürzel für das verbotene "Heil Hitler".

Die Mails, die die Medien zitieren, zeigen außerdem, für wie schlicht die Parteimitglieder ihre eigenen Wähler halten. So sei Holger Apfel, dem Fraktionsvorsitzenden in Sachsen, ein Wahlkampfplakat für Sachsen-Anhalt nicht deutlich genug gewesen, schreibt die "taz". Statt einer Hand mit Pistole und einem "Ausländer" im Hintergrund solle das Poster lieber "eine Horde 'widerwärtig' aussehender Ausländer" zeigen, zitiert die Zeitung Apfel. Und der sachsen-anhaltinische Landeschef Matthias Heyder soll geschrieben haben, die Wähler seien nicht "Jin/Jang und Azül", sondern "Kevin und Mandy".

NPD droht mit Anzeige

Andere Parteien reagierten nach der Veröffentlichung des Mailverkehrs angewidert. SPD-Innenexperte Sebastian Edathy sagte der "taz", er sehe in den Mails einen "weiteren Beleg dafür, dass die NPD eine zutiefst rassistische Partei ist". Er sprach sich für einen erneuten NPD-Verbotsversuch aus.

Die Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion für Strategien gegen Rechtsextremismus, Monika Lazar, sagte dem Blatt: "Die Veröffentlichungen kommen rechtzeitig vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. So können sich die WählerInnen selbst ein Bild über den wahren Geist der NPD machen."

Die NPD selbst schäumt. "Es ist davon auszugehen, daß das System über weitreichende Möglichkeiten verfügt, die gesamte E-Post der NPD mitzulesen", wird auf der Seite schwadroniert. Die Partei droht mit rechtlichen Schritten.