Jüdisches Leben

Erste Rabbinerin seit 75 Jahren ins Amt eingeführt

In Deutschland ist erstmals wieder eine Frau zur Rabbinerin ordiniert worden. Die aus der Ukraine stammende Alina Treiger wurde in Berlin für das Amt geweiht.

Erstmals nach 75 Jahren ist in Deutschland wieder eine Frau zur Rabbinerin ordiniert worden. Neben der aus der Ukraine stammenden Alina Treiger wurden in Berlin zwei Männer in das Rabbineramt eingeführt. Es sind Konstantin Pal und Boris Ronis. Sie gehören zur zweiten Generation der russischsprachigen jüdischen Zuwanderer in Deutschland.

Bundespräsident Christian Wulff sagte bei der Feier in der Berliner Synagoge Pestalozzistraße, dass in Deutschland nach Krieg und der Schoah wieder Rabbiner ordiniert würden, erfülle nicht nur die jüdische Gemeinde mit Freude. Es zeige auch, dass das jüdische Leben „auf eine noch intensivere Weise in unserem Land wieder Wurzeln geschlagen hat“. Dies gelte für das jüdische Leben aller Richtungen, „von orthodox bis liberal“.

Treiger sagte im ZDF-Morgenmagazin, sie wolle für ein positives, in die Zukunft gewandtes Judenbild werben. Die 31-jährige Theologin, die seit 2001 in Deutschland lebt, wird in Oldenburg arbeiten. Zu der Gemeinde mit ihren mehr als 300 Mitgliedern zählen viele Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen sind.

Die Rabbiner wurden in dem seit 1999 bestehenden Abraham-Geiger-Kolleg in der Hauptstadt ausgebildet. Es ist das erste liberale Rabbinerseminar in Mitteleuropa nach dem Völkermord an den Juden. Die erste Ordination eines Rabbiners in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg fand 2006 in Dresden statt und wurde weltweit beachtet.

In einem Grußwort würdigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) das Kolleg. Es habe die 200 Jahre alte Tradition der jüdischen Reformbewegung wieder aufgegriffen und das Erbe des liberalen Judentums klug bewahrt und fortentwickelt. Zudem pflege es seit seiner Gründung den Dialog mit anderen Religionen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte, für ihn seien die Feierlichkeiten zugleich mahnende Erinnerung an die deutsche Vergangenheit und Ermutigung zur tatkräftigen Förderung der jüdischen Kultur in Deutschland.

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