Wachstumsbranche

Rösler fordert bessere Bezahlung für Pflegekräfte

Vor dem Pflege-Gipfel macht die Regierung Druck auf die Branche: Pflegekräfte sollen besser bezahlt und ihre Ausbildung verbessert werden.

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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat eine bessere Bezahlung von Pflegekräften gefordert. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müsse die Ausbildung attraktiver gestaltet werden, sagte der FDP-Politiker im Deutschlandradio Kultur vor einem Treffen mit Vereinen und Verbänden am Nachmittag.

Die Ausbildungswege von Kranken- und Altenpflege könnten deswegen zusammengefasst werden. Außerdem müsse der Beruf selbst auch attraktiver werden, sagte Rösler. Dazu gehörten die Entlastung von Bürokratie und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genauso wie die Vergütung.

Wer hervorragende Fachkräfte haben wolle, müsse auch bereit sein, sie hervorragend zu bezahlen, appellierte Rösler an die Pflegeeinrichtungen. Viele seien dazu auch bereit. Der Mindestlohn von 8,50 Euro spiele derzeit „zum Glück“ keine Rolle bei der Vergütung von Pflegekräften.

Zur zukünftigen Finanzierung der Pflege wollte sich Rösler nicht äußern. Es sei derzeit noch überhaupt nicht geklärt, wie eine neue, ergänzende Zusatz-Versicherung aussehen solle. „Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt (...) noch gar nicht sagen“, betonte Rösler. Neben dem Fachkräftemangel müssten erst einmal Probleme wie der Umgang mit Angehörigen und die Berücksichtigung von Demenz im Pflegebild gelöst werden. Zudem gehe es darum, „weg von der Minuten-Pflege“ zu kommen. Erst wenn man wisse, was die Pflegeversicherung genau leisten soll, könne man sich seriös Gedanken über die Finanzierung machen, sagte Rösler.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) forderte von der Pflegebranche mehr Anstrengungen zur Beseitigung des Fachkräftemangels. Dabei dürfe man nicht zuerst auf den Zuzug ausländischer Fachkräfte setzen, sagte sie im „Morgenmagazin“ der ARD. „Das ist eine klassische Branche, wo wir erst die Hausaufgaben zu Hause machen müssen.“

Nötig seien zum einen Verbesserungen bei der Ausbildung, sagte die CDU-Politikerin. So reichten die derzeit 12.000 Ausbildungsplätze bei weitem nicht aus. Zum anderen gebe es 15.000 arbeitslose Pflegehelfer. Sie müssten zu Fachkräften weitergebildet werden.

„Drittens: Die Attraktivität des Berufes muss steigen.“ So müsse es zum Beispiel Vollzeitarbeitsmöglichkeiten für Frauen geben. Von der Leyen räumte allerdings ein: „Auf die Dauer werden wir sicherlich qualifizierte Zuwanderung auch in dieser Branche brauchen.“

Der Deutsche Pflegerat pocht auf substanzielle Ergebnisse bei dem Spitzentreffen im Bundesgesundheitsministerium. Am Ende müsse ein Fahrplan stehen, wie der Personalmangel in den nächsten Jahren beseitigt werden kann, sagte Pflegerat-Präsident Andreas Westerfellhaus der „Saarbrücker Zeitung“. Notwendig sei ein klares Signal, dass die Probleme beim Gesundheitsminister angekommen seien.

Auch Westerfellhaus forderte eine bessere Ausbildung und eine „angemessene Vergütung“. „Mit dem kürzlich vereinbarten Mindestlohn von 8,50 Euro in der Pflegebranche ist es jedenfalls nicht getan. Das wäre Augenwischerei“, sagte der Verbandspräsident. Zugleich sprach er sich für eine gesteuerte Zuwanderung von ausländischen Pflegefachleuten nach Deutschland aus. „Ohne qualifizierte Pflegekräfte aus dem Ausland werden wir die wachsende Alterung in Deutschland nicht bewältigen können“, erklärte Westerfellhaus.