Bei einem von der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus angeforderten Luftangriff auf zwei gekaperte Tanklastzüge sind Dutzende Menschen getötet worden. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, die Bundeswehr gehe von mehr als 50 getöteten Aufständischen aus. „Vermutlich“ seien keine Unbeteiligten ums Leben gekommen, als zwei von den radikal-islamischen Taliban in ihre Gewalt gebrachte Tanklastlastzüge am Freitag bombardiert wurden und dann explodierten.

Gouverneur Mohammed Omar sagte, zwischen 50 und 60 Menschen seien getötet worden. „Die meisten davon waren bewaffnete Taliban.“ Rund 30 weitere Menschen seien verletzt worden. „Das Problem ist, dass all diese Menschen rund um die Tanklastwagen schwer verbrannt wurden und es unmöglich ist, sie zu identifizieren.“ Omar hatte ursprünglich von 90 Toten gesprochen, die Hälfte davon seien Zivilisten. Der Polizeichef von Kundus, Abdul Rasak Jakubi, sagte, 56 Taliban-Kämpfer seien getötet worden. „Eine Anzahl Zivilisten“ sei getötet oder verletzt worden, die genaue Zahl müsse eine Untersuchung ergeben.

Der Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus habe die Luftunterstützung erbeten. Die Internationale Schutztruppe Isaf und afghanische Stellen richteten eine Untersuchungskommission ein.

Nach Angaben der Bundeswehr hatten Taliban-Kämpfer in der Nähe von Kundus einen Kontrollposten errichtet und dort gegen 1.50 Uhr Ortszeit zwei beladene Tanklastzüge in ihre Gewalt gebracht. Die Taliban hätten den Treibstoff in den Unruhedistrikt Char Darah bringen und selbst nutzen wollen. Die Aufständischen seien entdeckt und gegen 2.30 Uhr Ortszeit erfolgreich bekämpft worden. Zivilisten seien vermutlich nicht getötet worden. Deutsche Soldaten seien seien nicht verletzt worden, teilte die Bundeswehr mit.

Gouverneur Omar sagte, der Treibstoff sei für die Bundeswehr bestimmt gewesen. Der britschen BBC sagte einer der Fahrer der Tanklastzüge, die Taliban hätten zwei seiner Kollegen bei der Kaperung der Lkw geköpft.

Mohammad Akbar aus dem Dorf Hadschi Amanullah, in dem es zu dem Bombardement kam, sagte , die Taliban hätten den Treibstoff mit den Dorfbewohnern geteilt. „Sowohl Taliban als auch gewöhnliche Menschen brachten das Benzin nach Hause, als ein Armeejet Bomben auf die Tanklastzüge warf.“

Die Bundeswehr selber hat mit den Tornados in Afghanistan zwar Aufklärungsjets, aber keine Flugzeuge für Bombenangriffe. Werden Luftangriffe bei der Internationalen Schutztruppe Isaf angefordert, übernehmen das etwa die Amerikaner oder Briten. Der neue Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hat mehrere Anweisungen erlassen, um zivile Opfer bei Militäroperationen zu verringern. Die zivilen Opfer sorgen für wachsenden Unmut in der afghanischen Bevölkerung.

dpa/fas