Die Raucher in Deutschland greifen in der Wirtschaftskrise verstärkt zu günstigen Produkten. Nach Marktdaten des Tabakkonzerns BAT wuchs im ersten Quartal dieses Jahres der Absatz von kostengünstigen Feinschnitt-Produkten gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 7,4 Prozent auf umgerechnet 7,3 Milliarden Zigaretten. Das teilte die deutsche Tochtergesellschaft der British American Tobacco mit. Gleichzeitig bleibe die Menge der legal und illegal nach Deutschland eingeführten Zigaretten auf beunruhigend hohem Niveau.
Mit Stopf- und Drehtabak können Raucher rund zwei Drittel der Kosten von Fabrikzigaretten einsparen. Die Industrie bietet Hülsen und entsprechenden Stopftabak in Dosen an, der wesentlich niedriger besteuert wird als die fertigen Produkte aus der Fabrik. „Die Steuern für die Feinschnitt-Produkte sollten schrittweise angehoben werden“, sagte der Chef von BAT Deutschland, Ad Schenk. Die gegenwärtig laufende Preiserhöhung für Fabrikzigaretten von 20 Cent je Packung werde das Preisbewusstsein der Verbraucher weiter schärfen, ebenso wie die gesetzlich verordnete Vergrößerung der Packungen von 17 auf 19 Stück im zweiten Halbjahr. „Das ist zwar keine Preiserhöhung, wird aber so wahrgenommen“, sagte der BAT-Chef.
Noch drückender sei das Problem des Zigarettenschmuggels, der rund vier Milliarden Euro Steuerausfälle und 500 Millionen Euro Gewinn für das organisierte Verbrechen nach sich ziehe. Jede fünfte in Deutschland gerauchte Zigarette ist nicht im Inland versteuert. Der Kampf gegen den Schmuggel werde nicht entschieden genug geführt, um das Problem zu lösen, sagte Schenk. Die russische Marke „Jin Ling“, die ausschließlich für den illegalen Export produziert werde und nicht im Handel erhältlich ist, sei mit einem Absatz von 2,5 Milliarden Stück mittlerweile die achtgrößte Marke in Deutschland, noch vor „Camel“ und „HB“.
Am verbleibenden Markt für legale Fabrikzigaretten erreichte BAT im ersten Quartal einen Anteil von 24,1 Prozent, das ist eine Steigerung von 1,3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die großen strategischen Kernmarken Lucky Strike und Pall Mall legten noch kräftiger zu. Schenk zeigte sich zuversichtlich, dass die deutsche BAT-Tochter in diesem Jahr bei Absatz und Ergebnis gute Zahlen vorlegen werde. Der Konzern veröffentlicht keine Umsatz- und Gewinnzahlen für einzelne Länder mehr, sondern nur noch für die Muttergesellschaft.
dpa/AP/PHJ




