Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, beklagt ein „fehlendes Klima des Gesprächs“ in der katholischen Kirche. In einem Interview mit der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ sprach Glück von einer „Wagenburgmentalität“ als Ergebnis einer vor etwa 20 Jahren begonnenen Entwicklung in der Kirche, „die eindeutig ein Rückschritt war“.

„So werden wieder Fragen tabuisiert, etwa zur Sexualmoral oder zum kirchlichen Amt“, sagte der Präsident der katholischen Laienorganisation der Zeitung. Eine „Re-Vitalisierung“ der Kirche kann nach Glücks Ansicht nur erreicht werden, wenn es wieder eine offene Gesprächskultur und weniger Misstrauen gebe.

„Es muss die Möglichkeit der kontroversen Debatte geben, ohne dass Geistliche, hauptamtliche Mitarbeiter oder Theologen Sanktionen befürchten müssen“, forderte er. Es werde für die Zukunft der Kirche sehr viel davon abhängen, ob sie zu kritischer Selbstreflexion fähig ist.

Mit Blick auf die Missbrauchsfälle sagte Glück, die katholische Kirche habe einen wichtigen Lernprozess durchgemacht. „Ich halte es für die wichtigste Veränderung seit langer Zeit, dass nach der Schockerfahrung des Missbrauchs nun die Opfer im Mittelpunkt stehen und nicht der falsch verstandene Schutz der Institution Kirche.“

Dramatischer als der offenkundige Rückgang von Mitgliederzahlen wertete Glück die „Dunkelziffer jener, die aufgrund dieser Erfahrung auf Distanz zur Kirche gehen und dass ein Entfremdungsprozess stattfindet“.

Glück mahnte: „Wir müssen uns selbstkritisch damit auseinandersetzen, warum so viele Menschen wie noch nie nach Lebenssinn und Orientierung suchen, aber die nicht mehr in den Kirchen zu finden hoffen.“ Dies sei ein Problem nicht nur der katholischen, sondern auch der evangelischen Kirche.

EPD/jm