Schulungsschiff

Ekel-Rituale mit Essensresten auf der "Gorch Fock"

Erneut schockieren Einzelheiten über das Leben auf der Gorch Fock: Medienberichten nach mussten Kadetten in ein Schlauchboot mit Essensresten eintauchen.

Auf der Gorch Fock werden Kadetten, die zum ersten Mal den Äquator mit dem Schiff überqueren, getauft. Der "Bild"-Zeitung nach allerdings nicht mit Wasser. So mussten Kadetten im Herbst 2010 in einem Schlauchboot, gefüllt mit Essensresten, eintauchen oder ihrem Vorgesetzten die Füße küssen. Ein Offiziersanwärter sagte der Zeitung, dass die Teilnahme an dem Ritual zwar freiwillig wäre, der Gruppenzwang aber unglaublich hoch sei. "Wer nicht mitmacht, grenzt sich aus." Kadetten berichteten der "Bild", dass sich mehrere Teilnehmer der "Äquator-Taufe" übergaben.

Die Grünen haben Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufgefordert, die Verantwortung für Missstände in der Bundeswehr zu übernehmen. Guttenberg sage die ganze Zeit, dass er mit den Affären in der Truppe nichts zu tun habe, sagte Verteidigungsexperte Omid Nouripour. "Das geht nicht, das ist kein Verständnis von Amtsführung." Stattdessen müsse der Minister glaubhaft machen, dass er "seinen Laden im Griff" habe und die Vorfälle sachgerecht aufkläre.

Guttenberg äußert sich am Vormittag erstmals ausführlich im Verteidigungsausschuss des Bundestages zu den Ereignissen. Dabei geht es um die Zustände auf dem Segelschulschiff Gorch Fock, geöffnete und verschwundene Feldpost und einen Schießunfall in Afghanistan, bei dem ein Soldat ums Leben kam.

Die Ausschuss-Vorsitzende, Susanne Kastner (SPD), schloss derzeit aus, dass ein Untersuchungsausschuss zu den Vorfällen in Afghanistan und auf dem Segelschulschiff eingesetzt werden müsse. Dem Sender N24 sagte sie: "Diese Frage stellt sich uns noch nicht." Sie wisse, dass die Grünen ein solches Gremium anstrebten. Zunächst müsse der Bundestag den Kundus-Untersuchungsausschuss zum Abschluss bringen.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, erneuerte im Deutschlandfunk seine Vorwürfe, dass es seit längerem Hinweise gegeben habe, dass auf dem Segelschulschiff Gorch Fock "etwas nicht in Ordnung" gewesen sei, das Ministerium aber nicht so genau hingeschaut habe.

Diese Vorwürfe müssten aufgeklärt und Mängel müssten abgestellt werden. "Es bedarf einer Qualitätskontrolle", sagte Arnold. Zugleich sprach sich der SPD-Politiker aber dafür aus, das Schiff weiter in Betrieb zu halten. Die Gorch Fock sei ein Schmuckstück und repräsentiere Deutschland. Das Schiff macht derzeit Schlagzeilen wegen angeblich rüder und demütigender Umfangsformen, sexueller Nötigung und Alkoholmissbrauch.

Arnold forderte zu Guttenberg erneut auf zu erklären, warum er den Kommandanten des Schiffes, Norbert Schatz, suspendiert habe, obwohl er kurz zuvor noch vor Vorverurteilung gewarnt habe.

Otte verteidigt Entscheidung des Ministers

Der Obmann der Unionsfraktion im Ausschuss, Henning Otte, verteidigte dagegen diese Entscheidung des Ministers. Angesichts des großen öffentlichen Drucks halte er die Entscheidung für gerechtfertigt, sagte er dem Deutschlandfunk. Er plädierte für eine gründliche Aufklärung. Auch die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Elke Hoff, verteidigte die Entscheidung. Sie sprach im ZDF-Morgenmagazin aber von von unangenehmen und zum Teil schlimmen Einzelfällen, die aufgeklärt werden müssten, "damit Ruhe in die Truppe kommt".

Die FDP-Politikerin räumte auch ein, dass es im Verteidigungsministerium Informationspannen gegeben habe. Im Südwestrundfunk äußerte sie die Erwartung, dass zu Guttenberg Umorganisationen vornimmt. "Ich gehe davon aus, dass er kein Interesse daran hat, noch einmal so eine Panne zu erleben". Am Nachmittag ist im Plenum eine Aktuelle Stunde zu den jüngsten Affären bei der Bundeswehr angesetzt.

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