Protest in London

Studenten-Angriff auf Prinz Charles schockt Briten

Die höheren Studiengebühren sind beschlossen – und verhasst. Viele Briten sind von der Studentenwut, die auch Prinz Charles traf, entsetzt.

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Bei den Studentenprotesten gegen höhere Studiengebühren in London ist auch das Auto des britischen Thronfolgers Prinz Charles angegriffen worden.

Video: Reuters
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Umgestürzte Absperrungen, Aschereste von Feuern, kaputte Scheiben und notdürftig weggeschrubbte Graffiti – nach einem Abend des Chaos ist das Londoner Regierungsviertel mit deutlichen Narben erwacht. Auf fast allen Titelseiten war ein Foto des geschockten Paares Prinz Charles und Camilla zu sehen, die in die eskalierten Studentenproteste hineingeraten waren. Mit typischer englischer Gelassenheit sagte Camilla zwar, es gehe ihr bestens. Doch Großbritannien ist schwer geschockt über den Ausbruch der Gewalt, die am Donnerstag durch das Zentrum seiner Hauptstadt tobte.

Nicht nur auf dem Platz vor dem Parlament geht es nun ans Aufräumen. Auch hinter den Türen wird versucht, Ordnung in die Geschehnisse zu bringen. „Wir wollen unsere Lehren daraus ziehen“, sagte Premierminister David Cameron.

Scotland Yard kündigt Untersuchung an

Die Polizei versucht, zu klären, warum der Thronfolger und seine Ehefrau Camilla in die Randale hineingezogen werden konnten, die nach einem zunächst friedlichen Protest Tausender Menschen gegen höhere Studiengebühren ausgebrochen war. Vor dem Parlament hatten sich Kämpfe zwischen Polizisten und jungen Leuten entwickelt. 12 Beamte und 43 Demonstranten wurden verletzt, 22 Menschen am Ende festgenommen.

Die königliche Limousine war auf dem Weg zu einem Theater in der Londoner Innenstadt angegriffen worden. Zwar blieben die beiden unversehrt, eine Scheibe des Autos ging jedoch kaputt, und es hätte deutlich schlimmer kommen können.

Wie konnten die Demonstranten überhaupt so nah an den Wagen kommen? Was, wenn statt Farbbeuteln deutlich gefährlichere Geschosse geflogen wären? Der Chef von Scotland Yard, Paul Stephenson, gab zu, dass die Situation für die Polizisten schwierig gewesen sei. Er kündigte eine umfassende Untersuchung an.

Die Regierung aus Konservativen und Liberaldemokraten versucht derweil, die Risse in ihrer Koalition zu kitten. Zwar bekam sie den ersten und vermutlich schwersten Schritt der Reform durch und verdreifachte die Höchstgrenze, die Unis an Gebühren erheben dürfen, auf 9000 Pfund (10.700 Euro). Doch die Mehrheit war äußerst knapp. Weniger als die Hälfte der liberalen Abgeordneten stimmten zu – im Wahlkampf hatte die Partei noch versprochen, bei der Erhöhung nicht mitzumachen.

Angst vor dem Schatten der Gewalt

„Es war keine Überraschung, dass dies ein schweres Thema für uns werden würde“, sagte Parteichef Nick Clegg. Doch auf lange Sicht würden die Menschen einsehen, dass es die beste Entscheidung für das Land sei. Millionen Briten müssten derzeit finanzielle Opfer bringen. Kritiker der Gebührenerhöhung meinen, Kinder aus ärmeren Familien würden benachteiligt. Befürworter argumentieren, es gebe ausreichend Unterstützung für weniger betuchte Studenten.

Die höhere Obergrenze ist der erste Schritt einer Reform der Studiengebühren. Die Regierung hatte zuvor Kürzungen von 40 Prozent bei der höheren Bildung angekündigt. Das Ganze ist Teil der drastischen Sparmaßnahmen, die die Regierung im Oktober, fünf Monate nach Amtsantritt, angekündigt hatte. Großbritannien hat während der Wirtschaftskrise ein riesiges Haushaltsloch aufgebaut und muss seine Finanzen dringend in Ordnung bringen. Schon bei der Vorstellung der Pläne im Herbst hatten Experten einen Aufstand der Bevölkerung vorausgesagt. Einige sahen schon Zustände wie in den 1980er-Jahren zur Zeit von Premierministerin Margaret Thatcher aufziehen.

Doch die Studenten sind die ersten, die seit Wochen Demo-Veranstaltungen im ganzen Land organisieren und in Massen auf die Straße gehen. „Es geht in erster Linie natürlich um die Studiengebühren, aber ich glaube, dahinter steckt die Angst vor dem, was die Tories mit unserem Land machen“, sagte der 18 Jahre alte Student Nigel David. „Ihre Pläne, zu kürzen, Schlüsselelemente des Wohlfahrtsstaates abzuschaffen, es für weniger privilegierte Menschen härter zu machen, auf der sozialen Leiter nach oben zu klettern.“

Friedliche Demonstranten fürchten nun, die Gewalt könnte ihre Anliegen überschatten. Und wie es weitergeht, ist unklar. Denn in den kommenden Wochen sollen die Details der Reform auf den Weg gebracht werden.