Die Wette ist pikant, der Einsatz schmackhaft: Franz Beckenbauer und Günther Jauch haben um eine Kiste Rotwein gewettet, ob Torhüter Manuel Neuer im Winter von Schalke nach München wechseln und von 2010 an das Tor des FC Bayern hüten wird. „Ich habe aus ziemlich sicherer Quelle, dass Neuer die längste Zeit auf Schalke gewesen ist“, hatte der Talkmaster im Fernsehsender Sky orakelt. Bayern-Präsident Beckenbauer wettete dagegen: „Die Bayern werden sich immer um Manuel Neuer bemühen. Und immer wird Felix Magath Nein sagen.“

Das erste Nein des Schalker Trainers, Managers und Vorstandsmitglieds folgte schon gestern. Bereits in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ hatte Magath zwar angekündigt, ähnlich wie im Sommer bereit zu sein, über Spielerverkäufe zu verhandeln, wenn entsprechende Angebote unterbreitet werden. „Aber bei Manuel Neuer wird das nicht so sein“, schränkte er ein.

Es muss wohl bis zur nächsten Transferperiode gerätselt werden, ob Jauch tatsächlich eine Kiste Wein an Beckenbauer verliert. Unstrittig hingegen ist, dass Schalke 04 für jeden Euro offen ist, der an den Verein herangetragen wird. Magath kündigte bereits an, über den Verkauf von Marketing- und Cateringrechten nachzudenken. Auch die Abgabe weiterer Anteile am Stadion, an dem Schalke noch 78 Prozent besitzt, wären denkbar.

Es scheint sich allerdings noch eine weitere veritable Einnahmequelle für den krisengeschüttelten Klub zu ergeben, den neben 137 Millionen Euro Schulden weitere rund 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten plagen, die dessen Tochtergesellschaften angehäuft haben. Nach Recherchen von Morgenpost Online bemüht sich sogar die Politik um die Akquise neuer Geldquellen.

Wie aus dem Vereinsumfeld zu erfahren war, versuchte ein ranghoher Mitarbeiter der Landesverwaltung Nordrhein-Westfalen bereits im vergangenen Sommer, neue Sponsoren für den schwächelnden Fußballklub zu finden. Konkret habe der Präsident der Bezirksregierung Münster, Peter Paziorek (CDU), den Energieversorger RWE angesprochen und gefragt, ob dieser sich nicht für mehrere Millionen Euro die Namensrechte an der Schalker Arena sichern wolle. Paziorek untersteht direkt dem NRW-Innenministerium.

Bislang besitzt die Brauerei Veltins die Namensrechte an der Sportstätte. Der Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2015, zusätzlich gibt es eine Option auf weitere fünf Jahre. Allerdings ist zu vernehmen, dass Veltins bereit sei, zu Gunsten eines höheren Angebots auszusteigen. Aus der Schalker Spitze wird zudem berichtet, es gebe für den Verein die Möglichkeit, frühzeitig aus dem Sponsorenvertrag mit Veltins auszusteigen. Und zwar für den Fall, dass ein Sponsor auftaucht, der bereit ist, bedeutend mehr als vier Millionen Euro zu zahlen, die derzeit fixiert sind. Veltins lehnte gestern auf Morgenpost Online-Anfrage einen Kommentar zu diesem Vorgang ab. Auch Schalkes neuer Mediendirektor, Rolf Dittrich, konnte gestern nur verkünden, dass der Klub zu dem Thema derzeit keine Stellungnahme abgeben werde.


An besagter Ausstiegsklausel setzt aber offensichtlich die Anfrage von Regierungspräsident Paziorek an. So soll er dem Versorger RWE zugesagt haben, die Namensrechte bekommen zu können, sobald der Ausstieg von Veltins fix sei. Dies müsse aber noch verhandelt werden. Aus dem Umfeld der Landesregierung heißt es dazu, dass Paziorek zwischen Schalke und RWE vermitteln wollte. Das Gespräch sei zwischen dem Präsidenten der Landesverwaltung und einem Vorstandsassistenten geführt worden. Allerdings soll es der Energiekonzern abgelehnt haben, die Namensrechte zu erwerben. Dies passe derzeit nicht in die Konzernstrategie.

Der Vorgang ist aus zwei Gründen pikant. So ist der in Gelsenkirchen geborene CDU-Politiker einer von fünf Mitgliedern im Schalker Ehrenrat. Bis 2006 saß er außerdem im Aufsichtsrat des Vereins. Zudem hat die Landesregierung der Arena-Gesellschaft im Jahr 1997 eine Landesbürgschaft gewährt, um damit die Baukredite der Hamburgischen Landesbank abzusichern. Sollte Schalke und damit in Folge die Arena-Besitzgesellschaft pleite gehen, kann die Bank beim Land Nordrhein-Westfalen die Bürgschaft einfordern, die sich auf 92 Millionen Euro beläuft. Dies geht aus Bilanzunterlagen des Bundesligavierten hervor.

Bereits vor einigen Jahren hatten Schalke und RWE über eine Zusammenarbeit gesprochen. Allerdings entschied der Versorger damals, als Großsponsor bei Bayer Leverkusen einzusteigen; es blieb bei einem kleineren Engagement auf Schalke. Aktuell ist RWE in der zweiten Bundesliga noch im kleineren Umfang beim MSV Duisburg engagiert.

Felix Magath war zuletzt optimistisch, dass bald neue Einnahmequellen für den Verein gefunden werden. Und auch andere Gewinne will er kassieren: „Ich kann Herrn Jauch keine Hoffnungen machen, dass er die Wette um Manuel Neuer gewinnt, und hoffe, dass der Franz mir eine Flasche Wein abgibt.“