Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat am Sonntag die erste Drohne des Landes vorgestellt, die mit Bomben bestückt werden kann. Das im Iran hergestellte unbemannte Flugzeug könne verschiedene Bombentypen transportieren und mit hoher Geschwindigkeit „lange Strecken“ zurücklegen, berichtete das iranische Staatsfernsehen und zeigte Bilder des Flugträgers. Die Reichweite der Drohne mit dem Namen Karrar, in Anspielung auf einen der Namen des Imam Ali, wurde indes nicht bekannt.

Karrar sei das „Symbol für den Fortschritt der iranischen Verteidigungsindustrie“, zitierte das Fernsehen auf seiner Internetseite zudem den iranischen Verteidigungsminister Ahmed Wahidi. Vor wenigen Tagen hatte Wahidi bereits den erfolgreichen Test einer Boden-Boden-Rakete vom Typ Kiam bekanntgegeben. Es handele sich um ein sehr präzises Geschoss einer „neuen Klasse“ mit einer „einmaligen taktischen Leistungsfähigkeit“. Zum Zeitpunkt des Tests und zur Reichweite der Rakete machte Wahidi auch damals keine Angaben.

Der Iran reagiert mit seiner Aufrüstungspolitik auf wiederholte Äußerungen etwa der USA und Israels, die einen Angriff auf das Land wegen seines umstrittenen Atomprogramms nicht grundsätzlich ausschließen. Der Westen wirft Teheran vor, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Kernenergie in Wahrheit nach Atomwaffen zu streben.

Erst am Tag zuvor hatte der Iran sein erstes Atomkraftwerk in Betrieb genommen. An der feierlichen Eröffnung am Persischen Golf nahmen der iranische Atomchef Ali Akbar Salehi und der Leiter des russischen Atomkonzerns Rosatom, Sergej Kirijenko, teil. Der mit russischer Hilfe erbaute Leichtwasserreaktor soll im November ans Netz gehen und wird eine Maximalleistung von 1000 Megawatt erreichen. Nach Einschätzung von Experten geht von dem Kraftwerk in Buschehr kein Risiko für die Verbreitung von atomwaffenfähigem Material aus.

Trotzdem äußerte Israel heftige Kritik an der Inbetriebnahme. Es sei völlig inakzeptabel, dass ein Land, das so offenkundig internationale Vereinbarungen verletzte, in den Genuss der Atomenergie kommen solle, sagte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums. Zugleich forderte er die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf den Iran zu erhöhen, damit dieser seine Urananreicherung einstelle. Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte noch wenige Stunden vor der Beladung mit Brennstäben mit Russlands Premierminister Wladimir Putin telefoniert.

„Der Iran hat wie jedes Land das Recht auf zivile Nutzung der Kernenergie“, unterstrich hingegen der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Sergej Kirijenko, bei der Eröffnung. Ein Missbrauch der Brennstäbe sei allein schon wegen der Kontrollen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ausgeschlossen.

Doch jenseits aller Rhetorik suchen Zweifler vergeblich nach einer Garantie, dass Buschehr nicht doch zum Problem wird. Ein Land mit solch riesigen Ölreserven wie der Iran benötige ein Atomkraftwerk nicht zur Energiegewinnung, sondern zum Waffenbau, meinen Skeptiker. In zehn Jahren, so sieht es ein Vertrag vor, muss Russland die Anlage voll in iranische Hände geben.

Buschehrs markanter rot-weißer Abluftkamin, der bei dem Kraftwerk in den Himmel ragt, ist fast zehn Kilometer weit zu sehen. Der Schlot und der benachbarte 1000-Megawatt-Leichtwasserreaktor beeinflussen nicht nur das Bild der kleinen Hafenstadt rund 1200 Kilometer südlich von Teheran, sondern prägen auch die Beziehungen zwischen dem Iran und Russland. 1995 hatte sich das Mullah-Regime mit Moskau auf den Bau geeinigt. Zwar hatten westdeutsche Ingenieure in den 1970er Jahren den ersten Spatenstich getan. Nach der Islamischen Revolution von 1979 kündigten sie aber ihre Zusammenarbeit auf. Russland sprang ein, denn das Riesenreich hat umfassende Interessen in der Region.

Das größte Land der Erde gehört zu den wichtigsten Waffenlieferanten des Iran, wohl auch deshalb sträubte sich die Führung in Moskau lange gegen neue UN-Sanktionen gegen Teheran. Am Kaspischen Meer bemüht sich der Kreml seit langem, seine Ansprüche auf einen Teil der dort vermuteten Öl- und Gasfelder zu sichern. Eine Atommacht Iran vor der eigenen Haustür will aber auch Russland nicht.

Seit langem verfolgt Russland eine Pendeldiplomatie zwischen eigenen Interessen und den Hauptparteien im Atomstreit. Zwar besuchte der frühere Kremlchef Wladimir Putin 2007 als erster Präsident einer Großmacht seit der Revolution den Iran. Dann aber sagte Teheran Atomverhandlungen mit Moskau ab, weil Russland die Inbetriebnahme von Buschehr „aus Gefälligkeit gegenüber dem Westen“ verzögere. Zuletzt warf Ahmadinedschad gar Moskau eine pro-amerikanische Haltung vor.

Mit der jetzigen Eröffnung will Russland offenbar zeigen, dass seine Partnerschaft mit dem Iran trotz Differenzen ernst gemeint ist. Die Zeremonie sei jedoch „auffällig moderat“ gewesen, kommentierten Beobachter in Buschehr. Zwar verschwanden Salehi und Kirijenko fast hinter einem Wald von Mikrofonen, so groß war das internationale Medieninteresse. Im Iran selbst übertrug aber nur ein kleinerer TV-Sender die Pressekonferenz.

Vermutlich habe der Iran für die Eröffnung auf Konzessionen Russlands eingehen müssen, wolle dies der Öffentlichkeit aber verschweigen, nehmen Insider in Teheran an. Bei der Eröffnung relativierte Salehi seine Ankündigung, der Iran plane zehn weitere Anlagen zur Anreicherung von Uran. Die Ankündigung hatte vor wenigen Tagen international für Aufsehen gesorgt. Nun sagte der Atomchef, Teheran wolle den Bau weiterer Nuklearanlagen „nicht überstürzen“. Aber mit dem Test der neuen Militärtechnik und seiner ersten selbst gebauten Langstrecken-Kampfdrohne weckt der Iran alte Zweifel.

AFP/dpa/ks