In Haiti sind offiziellen Angaben zufolge bisher 1034 Menschen an der Cholera gestorben. Wie die Behörden am Dienstag (Ortszeit) mitteilten, erkrankten 16.700 Menschen seit dem Ausbruch der Epidemie Mitte Oktober.

In der Hauptstadt Port-au-Prince starben seitdem mehr als 30 Menschen. Laut Gesundheitsministerium deutet das auf eine zunehmende Verbreitung der Epidemie in der Hauptstadt hin. Dort leben seit dem Erdbeben vom Januar Hunderttausende Menschen in Obdachlosenlagern. In der benachbarten Dominikanischen Republik kam es zu einem ersten Todesfall durch Cholera.

Auch am Dienstag protestierten in Haiti Tausende Demonstranten gegen die UN-Friedenstruppen, wie lokale Radiosender berichteten. Sie werfen den Blauhelmen vor, die Epidemie unfreiwillig eingeschleppt zu haben. Bei gewalttätigen Protesten gegen die UN-Truppen am Tag zuvor waren zwei Demonstranten getötet und 19 verletzt worden.

Präsident René Préval rief die Haitianer zur Besonnenheit auf. Den Organisatoren der Demonstrationen warf er unlautere Absichten vor. „Sie wollen die Cholera-Epidemie und die Frustration der Leute ausnützen, um ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln“, sagte Préval in einer Ansprache und fügte hinzu: „Steinwürfe, Barrikaden und Schüsse töten nicht das Cholera-Bakterium.“

Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) warnte am Dienstag vor einer weiteren Ausbreitung der Seuche. Nicht nur die Zahl der Fälle werde zunehmen. Auch über Haiti hinaus müssten die Länder des amerikanischen Kontinents mit Erkrankungen rechnen.

EPD/ks