61 frühere Gefangene des US-Lagers Guantánamo sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums nach ihrer Freilassung anscheinend zum Terrorismus zurückgekehrt.
In 18 Fällen lägen entsprechende Beweise vor, sagte Ministeriumssprecher Geoff Morrell am Dienstag in Washington. Bei 43 weiteren deuteten Geheimdienstinformationen darauf hin.
Die Schätzung vom Dezember beruhe auf Erkenntnissen anhand von Fingerabdrücken, Abgleichen von DNA- und Fotomaterial sowie von „verlässlichen, bestätigten und fundierten“ Geheimdienstberichten.
Damit sei die vermutete Rückfallquote auf elf Prozent gestiegen. In einem Bericht vom März 2008 war die Quote mit sieben Prozent angegeben worden.
Morrell wollte weder Namen nennen noch sagen, in welche Länder die ehemaligen Guantánamo-Insassen entlassen wurden.
Der gewählte US-Präsident Barack Obama will Guantánamo schließen und dies nach Angaben eines Beraters möglicherweise schon in der ersten Woche nach seinem Amtsantritt anordnen.
Dennoch dürfte es noch eine Weile dauern, bis das umstrittene Lager tatsächlich geschlossen wird, da zuvor noch Aufnahmeländer für diejenigen Häftlinge gefunden werden müssen, die weder in ihre Heimat zurückkehren können noch in den USA bleiben wollen.
Ein Mitglied der US-Regierung des scheidenden Präsidenten George W. Bush räumte indes erstmals den Gebrauch von Folter im US-Gefangenenlager Guantánamo. Die frühere Verantwortliche für Anklagen gegen Guantánamo-Häftlinge, Susan J. Crawford, sagte der „Washington Post“, dass sie sich gegen eine Anklage des saudischen Häftlings Mohammed al-Kahtani entschieden habe, weil bei seinen Vernehmungen die Grenze zur Folter überschritten worden sei.
Al-Kahtani, dem Beteiligung an der Vorbereitung der Anschläge vom 11. September 2001 zur Last gelegt wird, sei unter anderem mit langer Isolation und Schlafentzug in „eine lebensbedrohliche Lage“ gebracht worden. Auch sei er längere Zeit nackt gezielt der Kälte ausgesetzt worden.
„Die Techniken, die angewandt wurden, waren alle genehmigt, aber die Art und Weise, wie sie umgesetzt wurden, waren übermäßig aggressiv und zu langanhaltend“, sagte Crawford dem Journalisten Bob Woodward. Es seien die gesundheitlichen Auswirkungen gewesen, die sie veranlasst hätten, in diesem Fall von Folter zu sprechen. Laut dem Bericht soll Al-Kahtani auch mit einem Militärhund attackiert worden sein, zudem soll er gezwungen worden sein, Hundekunststücke vorzuführen und Damenunterwäsche zu tragen.
Rund 255 Männer sitzen noch in dem Lager auf dem US-Marinestützpunkt auf Kuba. Von ihnen sollten nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium rund 110 eigentlich nie mehr freikommen, weil sie eine Gefahr für die USA werden könnten.
Das Lager war unter Präsident George W. Bush eingerichtet worden und wurde zum Symbol besonders aggressiver Verhörmethoden, die den USA den Vorwurf der Folter eingebracht haben.
AFP/Reuters/ab




