Für Schüler brechen harte Zeiten an. Geht es nach den Wünschen des Philologenverbandes Baden-Württemberg sollen Pennäler künftig auf einen Teil der Schulferien verzichten, um schneller Abitur machen zu können. Durch die ständige Unterbrechung des Lernbetriebs gleiche das zweite Schulhalbjahr „einem Schweizer Käse“, sagte der Landeschef des Philologenverbandes, Karl-Heinz Wurster.

Das sei pädagogischer Unsinn. „Wenn die wöchentlichen Unterrichtsdeputate abgesenkt würden, könnten wir uns mit längeren ununterbrochenen Lernabschnitten anfreunden“, erklärte Wurster. Schon bei kleinen Pausen wie dem Wochenende kämen die Schüler aus dem Lernrhythmus, erklärte Wurster, sprach sich aber gleichzeitig gegen den ebenfalls auf der Vorschlagsliste stehenden Samstagsunterricht aus.

„Bevor man an Ferien rüttelt oder Samstagsunterricht in Betracht zieht, sollte man es erst einmal mit einer gut organisierten Ganztagsschule mit rhythmisiertem Unterricht versuchen“, fordert Christiane Staab, Vorsitzende des Landeselternbeirats Baden-Württemberg. Derzeit sind lediglich 64 der 377 Gymnasien in öffentlicher Trägerschaft Ganztagsschulen. Bis zum Schuljahr 2014/15 sollen nach Wunsch des Ministerpräsidenten Günther Oettinger 40 Prozent der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen im Ganztagsbetrieb laufen.


Das Abitur in acht Jahren (G8) stelle, so Staab, generell eine große Chance für die Jugendlichen dar, allerdings gebe es Verbesserungsbedarf. Die Lehrpläne seien nur minimal auf das verkürzte Abitur umgestellt worden. „Im Jahr 2012 machen die Schüler des alten Systems erstmals mit den Schülern des G8 Abitur – gemeinsam und mit exakt den gleichen Inhalten, denn wir haben hier Zentralabitur“, erklärt Staab.


Es müsse jetzt eine Entscheidung getroffen werden: Entweder man kürze die Lehrpläne radikal – auch im Hinblick auf das Risiko großer Wissenslücken –, aber behalte dann die Halbtagsschule bei. Oder man nehme Vertiefungsstunden, betreute Hausaufgaben und Ruhephasen mit in den Unterricht auf und schaffe endlich die Ganztagsschule. „Das käme auch den Kindern aus bildungsferneren Elternhäusern zugute, die sonst beim momentanen Tempo doch einfach abgehängt werden“, sagt Staab.

Zwar gebe es mit diesem Modell Einschränkungen bei der Nachmittagsgestaltung. „Dann müssen sich die Kinder eben auf zwei Aktivitäten beschränken. Es muss nicht Reiten, Cello, Schwimmen und noch etwas Viertes sein“, sagt die Mutter von drei Kindern.


Samstagsunterricht käme schon wegen der hohen Anzahl von Scheidungskindern nicht infrage. „Schule am Samstag bedeutet, den Vater in Hamburg nicht mehr besuchen zu können“, stellt Staab fest.


Viele der Lösungsvorschläge zu einer Entlastung der G8-Schüler sind aus Sicht Ludwig Eckingers, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, „bizarr“. Mangel beim naturwissenschaftlichen Nachwuchs löse man nicht mit weniger Stunden in Physik. „Der Trend in Europa geht zur Verkürzung der Schulzeit.“ Er frage sich, warum man nicht wenigstens jetzt, Jahre nach der Einführung von G8, statt „wenig hilfreicher Vorschläge“ endlich den Blick nach Osten richte, um von Thüringen und Sachsen zu lernen. Dort funktioniere das Modell seit Jahren – ohne Samstagsunterricht, mit Ferien und Naturwissenschaften.