Die Datumswahl zeigt, dass die Gewerkschaft wild entschlossen ist, den Tarifstreit im öffentlichen Dienst noch einmal zu verschärfen.
Für den Juni stellte Ver.di gestern eine zweite und dritte Streikwelle in Aussicht. Die Landesvorsitzende Susanne Stumpenhusen sagte, die bisher vom Senat angebotene Einmalzahlung sei keine Grundlage für Verhandlungen. Bei der Feuerwehr richteten die streikenden Angestellten unterdessen einen Notdienst in den Werkstätten ein, um die Lage zu "entspannen".
Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) stehen bei der Berliner Feuerwehr inzwischen 10 von 23 Notarztwagen und 32 von 145 Rettungswagen wegen des Ausstands in den Werkstätten still.
Die Gewerkschaft sieht im Übrigen Parallelen zum historischen Vorbild. "Auch der 17. Juni 1953 hat mit tariflichen Fragen angefangen", sagte der Ver.di-Fachbereichsleiter Gemeinden, Werner Roepke. Die Kollegen würden das so sehen. "Damals ging es zunächst nicht um Freiheit und Demokratie, sondern die Normerhöhungen für die Arbeiter der Stalinallee", sagte Roepke. In der Auseinandersetzung verändert die Gewerkschaft nun ihre Strategie. Wurde bislang nach Berufsgruppe gestreikt, würde man die Ausstände nun regionalisieren.
Am Mittwoch, dem 11. Juni und am folgenden Donnerstag beginne die Region Süd mit ganztägigen Streiks. Dazu gehören die Arbeiter und Angestellten der Bezirksämter Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln und Treptow-Köpenick sowie die Erzieher der landeseigenen Kitas und Schulen dieser Region. In der darauf folgenden Woche (18. und 19. Juni) streike die Region Nord. Dann sollen auch dort alle Kitas, Horte und Bezirksämter bestreikt werden.
Für den 21. Juni ruft Ver.di zu Protestaktionen vor dem Kongresszentrum in der Alexanderstraße in Mitte auf, wo die SPD ihren Landesparteitag veranstaltet. Eine dritte Streikphase soll dann am 24. Juni mit einer Solidaritätsaktion von Landesbeamten für ihre angestellten Kollegen eingeläutet werden. Zwei Tage später plant Ver.di einen ganztägigen Streik in den Bibliotheken.



