Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gibt den Vorsitz der Landespartei ab und will mehr Bundespolitik machen. Der 48-Jährige kündigte an, auf dem nächsten Landesparteitag im Juni in Celle nicht wieder als Parteichef zu kandidieren. Nachfolger an der Spitze der Niedersachsen-CDU soll der jetzige Fraktionsvorsitzende im Landtag von Hannover, David McAllister (37), werden. Dieser gilt seit Längerem als Wulffs „Kronprinz“ und könnte ihn auch im Amt des Ministerpräsidenten beerben.
Wulff gab seinen Schritt am Freitagnachmittag auf einer Sitzung des CDU-Landesvorstands bekannt. Zuvor hatte er nur einen kleinen Kreis von Parteifreunden eingeweiht. Entsprechend überrascht reagierte die Niedersachsen-CDU gestern. „Das ist ein kluger Schachzug“, sagte einer der Eingeweihten, der Chef der niedersächsischen CDU-Abgeordneten im Bundestag, Enak Ferlemann. Wulff bekomme durch den Rückzug von der Spitze der Landespartei mehr Spielraum, um in der Bundespolitik mitzuwirken, sagte Ferlemann. „Ich begrüße, dass Christian Wulff öfter in Berlin sein will.“ Wulff selbst sagte nach der Sitzung: „Wir brauchen in der großen Koalition viele, die sich auf Bundesebene äußern.“
Wulff ist einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU. Er hatte sich aber in den vergangenen Jahren selten zu bundespolitischen Themen geäußert und sich bewusst auf die Landespolitik konzentriert. Diese Rolle als „Landesvater“ hatte dazu beigetragen, dass seine Koalition mit der FDP bei der Landtagswahl Ende Januar bestätigt wurde. Als weiterer Grund für den Rückzug von der Spitze der Landespartei werden in der CDU familiäre Gründe genannt. Wulff hatte vor kurzem erneut geheiratet und wird demnächst zum zweiten Mal Vater.


