Schon vorher hatte sich Pessimismus breit gemacht - bei der irischen Regierung: „Von dem was ich höre, sieht es nicht gut aus“, sagte der irische Europaminister Dick Roche nach Angaben der BBC. Sein Kabinettskollege, Justizminister Dermot Ahern, äußerte sich vor Ende der Auszählung ähnlich: „Es sieht so aus, dass dies ein Nein-Votum sein wird“, sagte Ahern im irischen Fernsehen. Der irische Außenminister Micheál Martin machte den Mangel an Informationen für die geringe Zustimmung verantwortlich.
Nur in sechs von 43 Wahlbezirken habe die Bevölkerung mehrheitlich mit „Ja" gestimmt. Von den 3,05 Millionen registrierten irischen Wählern nutzten am Donnerstag lediglich 45 Prozent die Gelegenheit, über den Vertrag abzustimmen, wie der Rundfunksender RTE berichtete. Die geringe Beteiligung galt als günstig für die Reformgegner, weil diese nach allgemeiner Einschätzung stärker zur Stimmabgabe motiviert waren.
Trotz einer landsweiten Tendenz zum Nein hätten die Befürworter aber gegen Mittag Boden gut gemacht, meldete RTE. In einigen Wahlbezirken in Dublin mit mittelständischen Einwohnern scheine das Votum mit 60:40 für die Befürworter ausgefallen zu sein. In Arbeiterbezirken zeichnete sich aber ein gegenteiliger Trend ab. Das offizielle Ergebnis aus den 43 Bezirken wird erst am Nachmittag erwartet.
Irland ist das einzige EU-Land, das das Volk über den Vertrag von Lissabon abstimmen ließ. Ein Nein der Iren würde die EU in eine schwere Krise stürzen, und wäre eine Blamage für die irische Regierung. Die Wahlbeteiligung lag nach Medienangaben bei 45 Prozent. Der Vertrag von Lissabon folgt dem EU-Verfassungsentwurf, der 2005 an Referenden in Frankreich und den Niederlangen gescheitert war. Die Iren hatten bereits 2001 den Vertrag von Nizza abgelehnt.
ap/dpa





















