SPD-Vorstandsmitglied Martin Schulz hat sich skeptisch über den Nutzen eines Parteiausschlussverfahrens gegen Noch-Bundesbanker Thilo Sarrazin geäußert. Der wegen seiner Thesen über Zuwanderer und Vererbung ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Sarrazin sei ein schamloser Selbstvermarkter, sagte Schulz der „Bild“-Zeitung. Ein Parteiverfahren gegen ihn, sei daher leider genau das, was sich Sarrazin wünsche. „Wir sollten uns mit den Themen Sarrazins befassen und nicht so sehr mit der Person“, sagte der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im Europa-Parlament.

Der SPD-Vorstand will am späten Montagvormittag formal über die Einleitung des Parteiordnungsverfahrens entscheiden. Zur Last gelegt wird Sarrazin, dass er seine muslimkritischen Integrationsthesen teilweise genetisch begründet.

Am Wochenende hatte sich der Streit in der SPD um einen Rauswurf des scheidenden Bundesbank-Vorstands und ehemaligen Berliner Finanzsenators zugespitzt. Mehrere prominente Sozialdemokraten warnten vor einem Rauswurf.

„Ich würde ihn halten“, sagte der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dem „Spiegel“. Er würde sich zwar nie so äußern wie der Parteifreund, mit einem Ausschluss würden die Integrationsfragen aber auch nicht gelöst. Der ehemalige SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte: „Ich hätte klargestellt: Es ist die Einzelmeinung von Thilo Sarrazin. Und dann hätte man es gut sein lassen sollen.“

SPD-Urgestein Klaus von Dohnanyi hatte Sarrazin schon Anfang der vergangenen Woche angeboten, ihn in einem Parteiausschlussverfahren zu verteidigen und hatte im Interview mit Morgenpost Online erklärt, die Partei tue mit einem Auschluss Sarrazins ihm und auch sich selbst unrecht: "Sie sollte ihn zumindest erst einmal anhören".

Parteichef Sigmar Gabriel hingegen verschärfte seine Kritik an Sarrazin und bekräftigte den Plan für ein Ausschlussverfahren. Der SPD-Bundesvorstand will das Parteiausschlussverfahren gegen Sarrazin am Montag einleiten. Seiner drohenden Abberufung als Bundesbank-Vorstand war Sarrazin in der vergangenen Woche zuvorgekommen, indem er um seine Entlassung zum Monatsende bat.

Reuters/ks