Geld-Entzug

Kriegsgegner zahlen keine Steuern mehr

Bis zu 10.000 Amerikaner haben ihren eigenen Weg gefunden, um den Irakkrieg zu boykottieren. Viele Steuerverweigerer leiten das Geld, das sie einbehalten, an wohltätige Organisationen weiter. Andere sehen zu, dass sie nur ein Mindesteinkommen verdienen.

Foto: mw/atz/dec / AFP

Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.

Auf zwischen 8.000 bis 10.000 schätzt Ruth Benn vom National War Tax Resistance Coordinating Committee in New York die Zahl der US-Bürger, die aus Protest gegen Kriege ihre Steuern gar nicht mehr oder nicht vollständig zahlen. Gross erzählt, er habe sich zu Beginn des Irak-Kriegs selbst nicht ins Gesicht sehen können. „Ich wusste, dass die Bomben, die fielen, zum Teil mit meinen Steuergeldern bezahlt wurden. Ich musste wirklich etwas tun, um meine Mittäterschaft zu beenden.“


Viele Steuerverweigerer leiten das Geld, das sie einbehalten, nach eigenen Angaben an wohltätige Organisationen weiter. Andere, wie Joanne Sheehan aus Norwich, achten darauf, dass ihr Einkommen komplett unter dem steuerpflichtigen Limit bleibt. „Ich verstehe nicht, warum ich für den Frieden arbeiten und für den Krieg bezahlen soll“, sagt Sheehan schulterzuckend.


Gross verdiente als technischer Redakteur fast 100.000 Dollar (72.000 Euro) im Jahr. Zunächst wusste er nicht genau, wie hoch die Gehaltskürzung ausfallen müsste, damit er unter den Steuergrenzwert fiel. Später fand er heraus, dass er dafür nur noch weniger als den Mindestlohn verdienen durfte. Heute achtet er genau darauf, was er ausgibt und schafft es so, von etwa 15.000 Dollar (knapp 11.000 Euro) im Jahr zu leben. Der 38-Jährige räumt ein, dass die Zahl der Kriegssteuerverweigerer zu klein ist, um den Krieg im Irak zu beenden. „Aber ich denke, wir weisen den Leuten, die sich in der Anti-Kriegs-Bewegung engagieren, den Weg“, sagt Gross. „Ich kann mich selbst im Spiegel ansehen und wenigstens sagen, dass ich ihn (den Krieg) nicht unterstütze. Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie.“

Der IRS, die oberste Steuerbehörde der USA, ist angesichts der Verweigerer selbstverständlich nicht gerade begeistert. Zwar hätten Steuerzahler das Recht, ihre Meinung kundzutun, erklärte IRS-Sprecherin Dianne Besunder. Sie seien jedoch nach wie vor verpflichtet, Steuern zu zahlen. Denn Steuerverweigerer stellten für diejenigen Steuerzahler, die ihren gerechten Anteil entrichteten, eine unzulässige Belastung dar, kritisierte Besunder.


Doch nicht nur der IRS sind die Verweigerer ein Dorn im Auge. John Ubaldi von der Organisation Move America Forward, die das Militär und den Krieg gegen den Terror unterstützt, sagt, eine Regierung könne mit dieser Haltung nicht funktionieren. Die Steuerverweigerer sendeten außerdem ein falsches Signal an Terroristen, indem sie den Eindruck vermittelten, dass die USA nicht hinter dem Irak-Krieg stünden, erklärte Ubaldi.

Zwar erhöht ein neues Gesetz die Strafen für inkorrekte Steuererklärungen um das Zehnfache auf 5.000 Dollar. Doch ins Gefängnis müssen nur die wenigsten der Steuerverweigerer. Wenn eine Reihe von Mahnungen keinen Erfolg zeigt, zieht der IRS das ausstehende Geld direkt vom Gehalt der Widerständler ab oder holt es sich von deren Konten - Strafgebühren und Zinsen inklusive. „Sie sind sehr höflich, was die ganze Sache ein wenig langweilig macht“, sagt Rosa Packard aus Greenwich, die aus Protest seit langem keine Steuern mehr zahlt.

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