Die Gesamtzahl der Straftaten geht zurück, aber die Internetkriminalität steigt weiter. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2009 hervor, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag vorstellen will. Insgesamt wurden vergangenes Jahr rund sechs Millionen Straftaten (Vorjahr: 6,11 Millionen) erfasst. Damit ist die Gesamtkriminalität erneut zurückgegangen.

Das Internet macht den Ermittlern allerdings zunehmend Sorge. Bei gut 207.000 Delikten machten sich die Täter die Informations- und Kommunikationstechnik des World Wide Web zunutze. Die Computerkriminalität stieg mit rund 50.000 Fällen um mehr als ein Drittel. Das Wiesbadener Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete beim digitalen Identitätsdiebstahl knapp 7000 Fälle. Das Ausspähen von Kontodaten (Phishing) beim Online-Banking nahm nach einem Rückgang im vergangenen Jahr wieder zu – um rund 64 Prozent auf mehr als 2900 gemeldete Fälle. Durchschnittlich entstand den Betroffenen dabei ein Schaden in Höhe von 4000 Euro.

Zwei Dritteln der Phishing-Opfer werden ihre Daten dem BKA zufolge inzwischen nicht mehr über gefälschte E-Mails abgeluchst, sondern beim Surfen auf normalen Internetseiten. Selbst renommierte Seiten von Staaten, der Musikbranche oder des Sports würden häufig so manipuliert, dass sich Besucher schon bei ihrem Aufruf mit einem Trojaner infizieren, der den Tätern später Zugangsdaten und Passwörter des Opfers verrät. Auf einem riesigen Schattenmarkt im Internet werden die gestohlenen Informationen anschließend verkauft.

Bundesweit wurden 960 Geldautomaten manipuliert, 809 waren es noch im Jahr zuvor. Das entspricht einem Anstieg von fast 20 Prozent. Das BKA schätzt den Schaden, der durch den Einsatz gefälschter EC-Karten mit deutschen Kundendaten entsteht, auf rund 40 Millionen Euro. Im Ausland stellten die Ermittler 11.000 kriminelle Transaktionen mit Bezug zu Deutschland und einen Schaden in Höhe von zwei Millionen Euro fest. Vorsicht ist im Fußball-WM-Gastgeberland Südafrika geboten. Dort wurden Deutsche am häufigsten an Geldautomaten geschädigt. Hinter Südafrika liegen Frankreich und die Türkei.

Das BKA warnt zudem die Benutzer von internetfähigen Handys vor zunehmender Kriminalität im Netz. Betrüger könnten verstärkt auf solche Smartphones zugreifen. Laut BKA-Präsident Jörg Ziercke sind die Handyviren „auf dem Vormarsch“. Angriffspotenzial böten vor allem Apps. Teilweise werden sie als offizielle Applikationen für Bankgeschäfte ausgegeben, sind in Wirklichkeit aber Trojaner mit bösartiger Software. Experten befürchten eine neue Dimension der Cyber-Angriffe. Mittlerweile entsteht nach ihren Angaben alle zwei Sekunden eine neue Variante eines schädlichen Computerprogramms.

Trend zu Angriffen auf Polizisten

Die Zahl der Angriffe auf Polizeibeamte wird bundesweit erst seit Januar in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) gesondert erfasst. Bisher gab es nur die Rubrik „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“, die auch Gerichtsvollzieher und Justizvollzugsbeamte enthielt. Der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 30 Prozent gestiegen. In 90 Prozent der Fälle werden Polizisten attackiert. Die Gewalt nimmt nicht nur am 1.Mai, bei Demonstrationen und Fußballspielen zu, sondern auch bei der Schlichtung häuslicher Streitigkeiten. Allein in Niedersachsen und Bayern gab es im vergangenen Jahr 2500 beziehungsweise 3200 Übergriffe.

Die Bundespolizei verzeichnete im vorigen Jahr einen Höchststand. „1555 Bundespolizisten wurden angegriffen, 985 verletzt“, sagte Bundespolizei-Sprecher Jörg Kunzendorf Morgenpost Online. Die Zahl sei deswegen so hoch, weil die Kollegen am 1.Mai bei den traditionell stattfindenden Demonstrationen in Berlin eingesetzt worden seien. 2008 habe es hingegen noch 201 verletzte Bundespolizisten gegeben. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU), will die Gewalt gegen Polizeibeamte „zum Thema Nummer eins“ der Tagung der Innenminister von Bund und Ländern Ende Mai machen. Sie wollen den strafrechtlichen Schutz der Polizeibeamten verbessern.

Erstmals wurden im vergangenen Jahr auch mehr linksextremistisch als rechtsextremistisch motivierte Körperverletzungen gezählt. Zum Nachteil von Polizeibeamten gab es von linksextremistischer Seite mit 440 Delikten mehr als doppelt so viele Körperverletzungen wie im vorigen Jahr. Zudem wurden im Jahr 2009 vier politisch links motivierte versuchte Tötungsdelikte registriert, im Vorjahr hingegen keines.