Vor den Koalitionsgesprächen zwischen Union und FDP warnen führende Unions-Politiker die Liberalen vor Übermut. „Jetzt gilt die Hoffnung natürlich auch, dass die FDP nicht abhebt, dass sie nicht die Bodenhaftung verliert“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Christian Wulff (CDU) am Montag dem Hörfunksender NDR Info. Andernfalls würden die Wähler die FDP auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Er sei jedoch „grundlegend Optimist“ und glaube daran, mit der FDP erfolgreich regieren zu können, sagte Wulff. Es gehe um eine gemeinsame Verantwortung.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte im Bayerischen Rundfunk und im RBB-Sender Radio Eins: „Natürlich werden sie mit breiter Brust an den Verhandlungstisch kommen.“ Aber die FDP wisse selbst, dass die Union noch deutlich stärker sei. Es wäre auch „ganz schlecht“, wenn sich Schwarz-Gelb nun im Kampf um Posten in die Haare bekämen. Er rechne damit, dass die FDP die politischen Realitäten zur Kenntnis nehmen werde. Das gelte auch für die Bedrohungslage. Bosbach räumte ein, dass die Unterschiede zwischen Union und FDP in der Innen- und Rechtspolitik größer seien als auf anderen Feldern.
Der niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kündigte harte Koalitionsverhandlungen mit der Union an. CDU/CSU würden schnell lernen, dass die FDP durchsetzungsfähiger und hartnäckiger sei als die SPD, sagte Rösler im Deutschlandradio Kultur. Die FDP gebe es „nicht zum Nulltarif“. Die FDP gehe gestärkt in die Koalitionsgespräche und werde für ein gerechtes Steuersystem kämpfen, um durch Steuersenkungen Wachstum zu erzeugen. FDP-Vize Cornelia Pieper sagte in der ARD, Steuersenkungen stünden für die FDP „ganz oben auf der Prioritätenliste“.
FDP-Vize Rainer Brüderle forderte vor den Koalitionsgesprächen eine „ehrliche Eröffnungsbilanz“, um „das, was von der großen Koalition falsch gemacht wurde“ überwinden zu können. Brüderle verwies im Deutschlandfunk zugleich auf den Einigungszwang zwischen den künftigen Partnern. Es sei „alles schön“, was die Union vor der Wahl erklärt habe, „aber jetzt muss sie auch mit uns einen Konsens finden, sonst gibt es ja keine Handlungsfähigkeit“.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla geht trotz der FDP-Ansage von einem zügigen Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit der FDP aus. Die Verhandlungen sollten „spätestens in der nächsten Woche“ beginnen, in einem Monat solle der Koalitionsvertrag stehen, sagte Pofalla im ARD-“Morgenmagazin". CDU-Vize Jürgen Rüttgers äußerte sich ähnlich. „Ich glaube, dass das eine gute Zusammenarbeit wird“, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident im Deutschlandfunk. Rüttgers rechnet damit, dass die Koalitionsverhandlungen „schnell“ abgeschlossen werden können.
Pofalla dämpfte zugleich die Erwartungen der Liberalen an Steuersenkungen. Es bleibe bei dem, was die Union im Regierungsprogramm festgelegt und den Wählern versprochen hab. Es gehe in der nächsten Legislaturperiode um eine Steuerentlastung „in zwei Schritten mit einem Gesamtentlastungsvolumen von 15 Milliarden Euro“.
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