Nikolaisaal

Thilo Sarrazin liest jetzt doch in Potsdam

Thilo Sarrazin wird sein umstrittenes Buch "Deutschland schafft sich ab" nicht im Potsdamer "Waschhaus" vorstellen. Drohungen und Druck von Künstlern sollen der Grund sein. Doch ein Ausweichquartier ist schon gefunden.

Die Bundesbank will ihren Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) loswerden – doch das Brandenburgische Literaturbüro bleibt ihm treu. Nachdem das Potsdamer Kulturzentrum „Waschhaus“ Sarrazin keine Bühne bieten wollte für die Vorstellung seines umstrittenen Buches „Deutschland schafft sich ab“, hat das Literaturbüro kurzfristig eine Alternative gefunden: den Nikolaisaal. Sarrazin wird damit wie geplant am 9. September in Potsdam lesen, teilte der Veranstalter am Donnerstag mit.

Nach langen und zum Teil hitzigen Diskussionen über die Auseinandersetzung mit Sarrazin und dessen umstrittenen Thesen zu muslimischen Einwanderern habe man sich zur Absage entschieden, hatte das „Waschhaus“ auf seinem Anrufbeantworter mitgeteilt. Zuvor waren bereits eine Lesung in Hildesheim und beim Berliner Literaturfestival abgesagt worden.

Während die Entscheidung der Bundesbank über die berufliche Zukunft ihres Vorstandes noch aussteht, bleibt ihm das Brandenburgische Literaturbüro als Veranstalter treu. Es werde nach einer Alternative für die Lesung in Potsdam gesucht, sagte eine Sprecherin. Informationen dazu sollten in Kürze folgen.

Das "Waschhaus" führte für seine Absage auch Sicherheitsbedenken an. Nach einem Bericht der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" hatten verschiedene Gruppen angekündigt, die für den 9. September geplante Veranstaltung zu verhindern oder zu stören. Zudem sollen Künstler die Einrichtung unter Druck gesetzt haben. Es habe Drohungen gegeben, künftig nicht mehr dort aufzutreten, wenn Sarrazin eine Bühne geboten werde.

Der 65-jährige Sarrazin steht wegen seiner Äußerungen über Einwanderer und genetische Eigenheiten von Volksgruppen im Kreuzfeuer der Kritik.

Zuvor waren bereits die Lesung im Berliner Haus der Kulturen der Welt und in Hildesheim abgesagt worden. Das Haus der Kulturen der Welt, in dem die Vorstellung am 25. September hatte stattfinden sollen, hatte darauf bestanden, dem umstrittenen Autor einen kritischen Gesprächspartner entgegenzusetzen. Der Leiter des Berliner Festivals, Ulrich Schreiber, sagte, er habe den als Interviewpartner geladenen kritischen Journalisten für ausreichend befunden. Nun gebe es Überlegungen, die geplante Buchvorstellung vor oder nach dem Festival (15. bis 25. September) mit einem anderen Veranstalter zu machen.

Auch die Hildesheimer Decius-Buchhandlung hatte die Lesung nach den Protestankündigungen abgesagt. Das Literaturhaus in München hatte sich nach Droh-Mails entschlossen, die geplante Lesung von Sarrazin zu einer Diskussionsveranstaltung zu machen.