Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns bei einem Besuch in Polen zur Versöhnung der beiden Völker aufgerufen.
Die Sowjetunion und Polen seien Waffenbrüder im Kampf gegen den Nationalsozialismus gewesen, sagte Putin bei einer vom russischen Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz im Ostseebad Sopot. „Es gibt Probleme in der Geschichte, die wir klären sollten (...), damit sich derartige Tragödien nicht wiederholen“, sagte Putin im Beisein des polnischen Regierungschefs Donald Tusk. Warschau und Moskau bewerten den Kriegsbeginn unterschiedlich.
Polen und Russland müssten in Zeiten der Wirtschaftskrise gemeinsam nach Wegen in die Zukunft suchen. Dafür sei in den zwischenstaatlichen Beziehungen ein „neuer Pragmatismus“ gefragt, betonte Putin. Zuvor hatten Regierungsvertreter beider Länder mehrere Vereinbarungen über die Umsetzung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte unterzeichnet.
Zudem verurteilte Putin zum 70. Jahrestag den Pakt der Sowjetunion mit Deutschland vom August 1939 als „unmoralisch“. In einem Beitrag für die polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ warf Putin zugleich Frankreich und Großbritannien vor, ebenfalls Vereinbarungen mit Adolf Hitler getroffen zu haben.
Der Hitler-Stalin-Pakt gilt als Voraussetzung für den deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939, da er zunächst ein Eingreifen der Sowjetunion verhinderte. 1941 brach Deutschland den Pakt und griff auch die Sowjetunion an.
Mit seiner Kritik an Frankreich und Großbritannien bezog sich Putin auf das Münchener Abkommen vom September 1938 zur Lösung der deutsch-tschechoslowakischen Krise um das Sudetenland. Der Vertrag wurde von Hitler, dem britischen Premierminister Neville Chamberlain, dem französischen Ministerpräsidenten Edouard Daladier und dem italienischen Regierungschef Benito Mussolini unterzeichnet.
Putin nimmt am heutigen Dienstag an der offiziellen Gedenkfeier zur Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 in Danzig teil. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dazu eingeladen.
Auf der Westerplatte, wo der deutsche Überfall auf Polen begann, wird Merkel eine Rede halten.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und sein polnischer Kollege Radoslaw Sikorski bezeichneten den deutschen Angriff in einem gemeinsamen Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ als den „Beginn eines verbrecherischen Krieges, einer europäischen Katastrophe“. Beide Länder hätten jedoch trotz der schmerzlichen Vergangenheit den Mut gefunden zur „Verständigung, Versöhnung und Freundschaft“.
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dpa/AP/dcs





