Mobilisierung

Wie die Bundestagswahl zum Happening wird

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Miriam Hollstein

Foto: dpa / dpa/DPA

Umfragen prognostizieren für die Bundestagswahl am 27. September ein Rekordtief bei der Wahlbeteiligung. Eine Berliner Initiative will mit innovativen Aktionen dagegen angehen – und erhält dafür prominente Unterstützung. Von Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer gab es allerdings einen Korb.

Auf ein Rekordtief könnte die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl im September absacken. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap sind nur 71 Prozent der wahlberechtigten Bundesbürger entschlossen, am 27. September ihre Stimme abzugeben. Bei der Bundestagswahl 2005 lag die Beteiligung noch bei knapp 78 Prozent. 17 Prozent der Befragten gaben an, wahrscheinlich wählen zu wollen, elf Prozent gaben an, wahrscheinlich nicht oder sicher nicht wählen zu gehen. Ungewöhnlich ist, dass die Zahl der potenziellen Nichtwähler seit Juni um sechs Prozent gestiegen ist: Offensichtlich schreckt der Wahlkampf eher ab als zu mobilisieren.

Mobilisieren will die überparteiliche Berliner Initiative ProDialog: Sie startete am Dienstag ihre Kampagne „Die Demokratiebotschafter“, mit der potenzielle Wähler an die Urnen gelockt werden sollen. Eine Wahlbeteiligung von „77 Prozent plus X“ gab Kerstin Plehwe, Vorsitzende der Initiative ProDiaolog, als ambitioniertes Ziel an. Tatsächlich hat sich das Team um Plehwe allerhand einfallen lassen, um Wählen zum Happening und Demokratie zu einem Erlebnis zu machen. Wer im Internet auf die eigenes kreierte Plattform der Kampagne surft, kann einen eigenen Wahlslogan kreiieren („Demokratie ohne Wähler ist wie?.“), per Kettenbrief einen Wahlaufruf verschicken, das Logo – ein Wahlkreuz – selbst gestalten und damit an einem Wettbewerb teilnehmen oder sich über das Internetnetzwerk StudiVZ für den 27. September um 15 Uhr zum „Wahldate“ verabreden. Man kann dort auch ganz offiziell „Demokratiebotschafter“ werden und unter dieser Bezeichnung forthin für die Wahlbeteiligung werben.

Bis zum 23. September tourt außerdem ein Bus der Kampagne durch Deutschland – insgesamt durch 19 Städte. Mit an Bord sind Freiwillige wie Jonas Posselt. Der 24-jährige Politikstudent aus Berlin wurde in einem Seminar an der Universität auf die Kampagne aufmerksam gemacht und sagte sofort seine Teilnahme zu. Bis zum 27. September will er nun helfen, die Menschen vom Gang zur Urne zu überzeugen. „Das ist ein Experiment“, sagt Posselt über die Kampagne und schwärmt vom „Bottom-Up-Prinzip“. Nicht von oben herab sollen die Leute belehrt werden, sondern aus dem Volk heraus soll eine Bewegung entstehen – durch Blogs, Twitter und Emails, aber auch Gespräche und Aktionen auf der Straße. Das Prinzip stammt aus dem amerikanischen Wahlkampf.

Unterstützt wird die Kampagne „Die Demokratiebotschafter“ unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung, Unternehmen wie der Deutschen Post und dem Internet-Netzwerk studiVZ.

Auch rund 30 Prominente wie der Tatort-Kommissar Klaus J. Behrendt oder der Sterne-Koch Ralf Zacherl waren bereit, im Vorfeld einen Appell zur Wahlbeteiligung zu formulieren. Von Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer bekamen die Initiatoren indes eine Absage: Der wollte weder als echter Komiker noch als falscher Kanzlerkandidat für die Kampagne werben.

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