"Das war richtig gut." Hellauf begeistert war am Dienstag eine Abgeordnete der Grünen, nachdem sich Gesine Schwan in deren Bundestagsfraktion vorgestellt hatte. Die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten habe eine "beeindruckende intellektuelle Tiefe" bewiesen und einen "lebhaften Impetus für die Demokratie". Zugleich liege der 65-jährigen Hochschullehrerin jeder "Politsprech" fern. Auf großes und einhelliges Wohlwollen sei Schwan bei den Grünen gestoßen, niemand habe eine Präferenz für den Amtsinhaber und Schwan-Konkurrenten Horst Köhler erkennen lassen.
Größere Sympathie genießt Köhler bei den Grünen nur bei einem Thema: Afrika. Doch da wusste auch Schwan einiges anzubieten. Mehrfach forderte sie vor der Grünen-Fraktion die Stärkung der Menschenrechte in Afrika und eine gerechtere Welthandelspolitik.
Zur Sprache kam in der Diskussion auch Schwans Verhältnis zur Linkspartei. Einerseits fanden Vertreter des linken Grünen-Flügels Schwans Kritik an freiheitsfeindlichen Tendenzen der Linken zu hart. Schwan antwortete, solche Kritik werde sie sich auch künftig nicht verkneifen, während die Grünen die sachliche Auseinandersetzung mit den Linken suchen müssten. Als dagegen gefragt wurde, warum Schwan auch linke Stimmen in der Bundesversammlung akzeptieren würde, sagte sie, dass sie der Linken ja keine Zugeständnisse mache, sondern mit einem klaren freiheitlichen Profil antrete.
Eine Mahnung aber gaben die Grünen ihr mit auf den Weg: Sie möge bitte nicht als "Coach der SPD" auftreten und - wie zuletzt des Öfteren - den Sozialdemokraten Tipps für eine bessere Selbstdarstellung geben. Schließlich wolle Schwan ja nicht nur die Kandidatin der SPD sein. Ob sie allerdings auch offiziell eine der Grünen ist, wollen diese erst nach der bayerischen Landtagswahl im September entscheiden.
Worum es ihr im Amt gehen soll, hatte Schwan zuvor der SPD-Fraktion erklärt. Sie wolle zu einem neuen Grundkonsens in der Gesellschaft beitragen. "Ich möchte emotional Lust auf Demokratie machen", sagte Schwan. "Wirklich gefährlich" sei es, dass die Deutschen das Vertrauen in Politik und Wirtschaft verlören. Deshalb wolle sie nicht durch ständige tagespolitische Einmischungen die Autorität der Politiker gefährden. Das ließ sich als Kritik an Köhler verstehen, dem gerade in der SPD vorgeworfen wird, bei Interventionen die Politik allzu schlecht zu machen.
Schwan hingegen will Vertrauen schaffen, auch in das Wirtschaftssystem: "Kapitalistische Marktwirtschaft und Demokratie haben die gleichen Wurzeln: den Liberalismus", sagte sie. Lebhaft applaudierten ihr da die SPD-Abgeordneten, von denen einige sie zuvor kritisiert hatten, weil sie auch bei den Linken um Stimmen werben will. Gestern meinte sie dazu nur, sie hoffe auf Stimmen aus allen Parteien.




