Die deutsche Wirtschaft hat sich für die Einführung der geplanten Bildungschipkarte für Kinder aus Hartz-IV-Familien ausgesprochen und unterstützt damit entsprechende Pläne der Bundesregierung. „Die Chipkarte kann ein Investment der Gesellschaft in die Fachkräfte von morgen sein“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, der „Berliner Zeitung“.

Bildungschancen verbessern

Driftmann verwies darauf, dass jedes Jahr etwa 150.000 Jugendliche unzureichend vorbereitet aus den Schulen in das Berufsleben treten würden. Ein Teil könne kaum rechnen und schreiben. Teamfähigkeit, Pünktlichkeit und Höflichkeit seien häufig ein Problem. „Eine solche mangelnde Ausbildungsreife ist bei Kindern und dann Jugendlichen aus ALG-II-Familien leider in überdurchschnittlichem Maße zu beobachten“, sagte Driftmann. Er halte die Bildungschipkarte daher für ein gutes Instrument, die Bildungs- und Berufschancen gerade dieser Gruppe zu verbessern.

Dagegen kam aus der CSU harsche Kritik an dem Vorhaben von der Leyens. Vize-CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär sagte „Handelsblatt Online“, Guthaben auf einer Chipkarte, „die nur für bestimmte Betreuungs-, Bildungs- und Sportangebote eingelöst werden können, beschränken in anmaßender Weise die elterliche Erziehungsfreiheit“. Eltern wüssten am besten, was gut und richtig für ihre Kinder sei. „Dem Staat die Elternrolle zuzuweisen führt in eine Sackgasse und stellt das Grundvertrauen in die Institution in Frage“, fügte Bär hinzu.

Bundesarbeitsministerin von der Leyen trifft sich am Vormittag mit Vertretern von Ländern und Kommunen zu Gesprächen über das von ihr geplante Bildungspaket für bedürftige Kinder. Dazu gehört auch die sogenannte Bildungs-Card, die nach dem Willen der Ministerin zunächst mittelfristig für bedürftige Kinder angeboten werden soll. Über eine Art persönliches Bildungsguthaben sollen die Kinder Zugang beispielsweise zu Förderkursen oder Musikunterricht bekommen. Die Regierung muss bis Ende des Jahres aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Hartz-IV-Regelsätze neu berechnen und die Bildungs- und Teilhabechancen der Kinder aus Hartz-IV-Familien verbessern.

AFP/zel