Die französische Milliardärin Liliane Bettencourt hat im Präsidentschaftswahlkampf von Nicolas Sarkozy 100.000 Euro von einem ihrer Konten abheben lassen – möglicherweise ein Hinweis darauf, dass tatsächlich rechtswidrige Parteispenden an die Konservativen in Frankreich geflossen sein könnten. Bettencourts ehemalige Buchhalterin hob das Geld im Dezember 2006 bei der Dexia-Bank ab, wie deren Anwalt am Freitag bestätigte.

Während die Buchhalterin Claire Thibout über Jahre hinweg normalerweise jede Abhebung in ihren Kassenbüchern notiert habe, seien die 100.000 Euro nirgendwo verzeichnet, berichtete die Wochenzeitschrift „Marianne“ vom Samstag. Es sei völlig unklar, wofür die Summe „nur vier Monate vor dem ersten Wahlgang“ der Präsidentschaftswahl verwendet worden sei. Die Privatkundenbank Dexia, die im Februar 2007 an die BNP Paribas überging, sowie die BNP wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern.

Die Buchhalterin habe Bettencourt das Geld damals „eigenhändig“ übergeben, berichtete die Zeitschrift, die eine Kopie des Schecks sowie von Bettencourts Vollmacht für die Angestellte abdruckte. Thibout hatte vor zehn Tagen bei der Polizei ausgesagt, dass ihre Chefin – die Hauptaktionärin des Kosmetikkonzerns L’Oréal und damit einer der 20 reichsten Menschen weltweit – und deren Mann André konservative Politiker regelmäßig mit großzügigen Spenden bedacht hätten.

Es sei „ein Kommen und Gehen“ gewesen in der Villa der Bettencourts im Nobelvorort Neuilly-sur-Seine, sagte die einstige Buchhalterin. Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl habe Bettencourts Vermögensverwalter, den die Polizei am Donnerstag in Gewahrsam genommen hatte, dem Schatzmeister der konservativen UMP einen Umschlag mit 150.000 Euro zugesteckt, behauptet Thibout. Sie selbst habe einen Teil des Geldes abheben sollen, den Rest habe Vermögensverwalter Patrice de Maistre von einem Schweizer Konto geholt.

Der beschuldigte Schatzmeister der Regierungspartei ist Sarkozys Vertrauter und heutige Arbeitsminister Eric Woerth, der die Vorwürfe abstreitet. Allerdings gibt er den Posten als Kassenwart der UMP demnächst ab. Woerth ist wegen eines weiteren Interessenkonflikts in der Kritik, weil seine Frau jahrelang für Bettencourts Vermögensverwaltung arbeitete, während er – noch als Haushaltsminister – gegen Steuersünder vorgehen wollte. Bettencourt steht im Verdacht, dutzende Millionen am Finanzamt vorbei ins Ausland gebracht zu haben.

Vermögensverwalter de Maistre und Bettencourts Günstling, der französische Künstler François-Marie Banier, sowie zwei weitere Schlüsselfiguren der verzweigten Affären waren am Freitag weiter in Polizeigewahrsam, wie Justizbeamte sagten. Die Polizei kann sie bis Samstagmorgen festhalten, danach müsste Untersuchungshaft beantragt beziehungsweise ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.

De Maistre wird nicht nur durch die Aussagen der Buchhalterin belastet, er habe die illegale Parteispende an Woerth übergeben, sondern auch durch heimliche Tonaufnahmen des ehemaligen Butlers: Die mittlerweile bei der Polizei liegenden Aufnahmen weisen darauf hin, dass der Vermögensverwalter den Steuerbetrug organisiert haben dürfte.

AFP/pku