Arbeitszeit

Wowereit lehnt Rente mit 67 grundsätzlich ab

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat als stellvertretender SPD-Vorsitzender seine Partei aufgerufen, schnellstmöglich von der Rente mit 67 Jahre abzurücken. Damit geht er deutlich weiter als sein Parteichef.

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Der stellvertretende SPD-Chef Klaus Wowereit hat sich grundsätzlich gegen die Rente mit 67 gewandt. „Ein Festhalten an der Rente mit 67 wäre aus meiner Sicht völlig falsch“, sagte der Regierende Bürgermeister von Berlin der „Süddeutschen Zeitung“. Die Menschen empfänden die Rente mit 67 als „ungerecht“ und „fühlen sich bestraft, wenn gesagt wird, pauschal müssten alle bis 67 arbeiten“.

Aus demografischen Gründen sei zwar eine längere Lebensarbeitszeit notwendig, räumte Wowereit ein. Dafür sei aber die bisherige Altersgrenze von 65 Jahren ausreichend. Es gehe darum, statt der Rente mit 67 „das heutige durchschnittliche Renteneintrittsalter wieder anzuheben“. Weil heute kaum jemand bis 65 Jahre arbeite, sei die Debatte um die Rente mit 67 eine „Phantomdebatte“.

Wowereit ging damit deutlich über den Vorstoß von SPD-Chef Sigmar Gabriel hinaus. Gabriel hatte sich am vergangenen Wochenende dafür ausgesprochen, die Rente mit 67 zunächst auszusetzen, solange sich die Beschäftigungssituation von Menschen über 60 Jahre nicht deutlich verbessert habe.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hatte sich dagegen im Grundsatz zur bestehende Regelung bekannt, wonach die Rente mit 67 ab 2012 schrittweise eingeführt werden soll. Als Kompromiss ist in der SPD auch ein Starttermin 2017 im Gespräch, verbunden mit einer Verkürzung der Übergangsfristen um ebenfalls fünf Jahre. Wowereit sprach sich dafür aus, dass die SPD auf ihrem Parteitag am 26. September über ihre Haltung zur Rente mit 67 entscheiden soll.

Grundsätzlich gegen die Rente mit 67 wandte sich erneut auch der Deutsche Gewerkschaftsbund. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnte vor zunehmender Altersarmut, wenn die von der großen Koalition beschlossene Regelung wie vorgesehen umgesetzt werde. Sie verwies darauf, dass derzeit fast ein Drittel der Arbeitslosen älter als 50 Jahre sei. Bereits heute müsse jeder zweite Rentner Abschläge in Kauf nehmen, weil er das Renteneintrittsalter von 65 Jahren nicht erreiche. Nicht einmal zehn Prozent der 64-Jährigen seien noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt.