Flughafensicherheit

Regierung bezeichnet Nacktscanner als "Unfug"

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Der EU-Vorschlag, Ganzkörper-Scanner europaweit an Flughäfen zuzulassen, stößt in Deutschland auf heftigen Widerstand. Vertreter aus Politik, Kirche und Polizei lehnen das Gerät als sittenwidrig ab. Innenminister Wolfgang Schäuble will nicht, dass Bundespolizisten zu "Spannern" werden.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnt die Einführung sogenannter Nackt-Scanner an deutschen Flughäfen entschieden ab. Zwar halte er es für richtig, „Geräte zu entwickeln, die das Abtasten von Passagieren ersetzen“, sagte Schäuble am Rande eines EU-Innenministertreffens in Luxemburg. „Aber so lange solche Bilder entstehen, werden sie nicht eingesetzt werden“, betonte der Bundesinnenminister. „Ich will nicht, dass die Bundespolizei in das Licht kommt, sie seien heimliche Spanner."


Die Bundespolizei hatte am Donnerstag erklärt, sie wolle die Ganzkörper-Scanner testen. Schäuble sagte dazu: „Die Tests sind schon ganz okay. Natürlich sind die Sicherheitsbehörden geradezu verpflichtet, zu schauen: Kann man Sicherheitskontrollen erleichtern? Aber so lange solche Bilder entstehen, werden sie nicht eingesetzt werden.“

Auch Vertreter aus Politik, Kirche und Gewerkschaften haben die von der EU-Kommission erwogenen „Nacktscanner“ an Flughäfen ausnahmslos abgelehnt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sieht darin einen Verstoß gegen die Menschenwürde. „Die Intimsphäre ist absolut unantastbar“, sagte der Freiburger Erzbischof der „Augsburger Allgemeinen“.


Der SPD-Europaparlamentarier Martin Schulz kritisierte, Nacktscanner würden die Sicherheit keinesfalls erhöhen. „Eine solch drakonische Maßnahme ist unverhältnismäßig und nicht erforderlich“, sagte der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im EU- Parlament den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. Es sei zwar richtig, dass sie anders als Metalldetektoren auch Plastiksprengstoff oder Keramikmesser finden. Aber auch heute seien schon Leibesvisitationen im konkreten Verdachtsfall rechtlich möglich.



Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, wandte sich entschieden gegen Einführung solcher Durchleuchtungsgeräte für Flugreisende. Bei den Bodyscannern sei das sittliche Empfinden schwer gestört, zudem sehe er auch keinen großen Sicherheitsgewinn, sagte er dem Internetportal „MORGENPOST ONLINE“. Besser wären mehr Sicherheitspersonal und leistungsfähigere Detektoren. Ähnlich äußerte sich der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.


Der Innenexperte der Unions-Fraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), forderte vor der Einführung von solchen Scannern erst einen Beleg, dass sie einen effektiven Sicherheitsgewinn aufweisen. „Man muss nicht alles machen, was technisch machbar ist“, sagte er „MORGENPOST ONLINE“.


Die Geräte durchleuchten Passagiere bis auf die Haut. Alle am Körper befestigten Gegenstände – etwa versteckte Waffen – werden sichtbar. Die Scanner sind probeweise auf Flughäfen in Amsterdam, Zürich und London im Einsatz. Die Bundespolizei versicherte am Mittwoch, dass an deutschen Flughäfen derzeit keine Köper-Scanner eingesetzt werden. Dabei werde es auch künftig bleiben, erklärte ein Sprecher.

( dpa/lk )