Horst Seehofer kann jetzt jede Hilfe gebrauchen. Nach der Sommerpause will der Ministerpräsident bei Bundeskanzlerin Angela Merkel vorsprechen, damit sie das „nationale Vorhaben“ im bayerischen Voralpenland unterstützt. In München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee sollen im Jahr 2018 die Olympischen Winterspiele stattfinden. München ist Ende Juni vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mit Bestnoten zur Kandidatenstadt erklärt worden. Aber der große Jubel blieb in Bayern aus. Im Schatten der Zugspitze tobt stattdessen ein Kulturkampf zwischen fortschrittsgläubigen Machern und skeptischen Bewahrern.

Selbstbewusste Bauern, die von der Strahlkraft Olympischer Spiele unbeeindruckt sind, geschäftstüchtige Grundstücksbesitzer, missionarische Naturschützer und leicht bornierte Bewerbungsmanager zeigen die landestypische „Mir san mir“-Mentalität. „Wir haben Nachholbedarf, was die öffentliche Zustimmung betrifft“, sagt beschönigend Thomas Bach, Vorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Denn das Wettrennen mit den anderen Bewerberstädten Annecy (Frankreich) und Pyeongchang (Südkorea) könnte ins Stocken kommen. Es ist ein offenes Geheimnis: Streit vor Ort mag das IOC überhaupt nicht.


Öko-Bündnis "NOlympia"

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) redet deswegen auch das von den Grünen befeuerte Öko-Bündnis „NOlympia“ als „optische Täuschung“ klein. Tatsächlich stünden über zwei Drittel der Bayern hinter der Bewerbung. Aber in Oberammergau haben sich die Kontras schon durchgesetzt. Der Holzschnitzer- und Passionsspielort verabschiedete sich schnell wieder aus dem Kreis der potenziellen olympischen Spielstätten.

Jetzt ist die Frage, ob Garmisch-Partenkirchen mitmacht. Dort wird zwar 2011 die Ski-Weltmeisterschaft ausgetragen, aber der Widerstand gegen die Olympischen Spiele ist groß. Zahlreiche Grundstückseigentümer wollen ihr Land nicht für Neubauten verkaufen.

Es geht um fünf Areale mit 78 Grundstücken, die Verkehrsflächen werden sollen. 18 weitere Grundstücke wären für den Bau des olympischen Dorfs notwendig, erklärt Thomas Schmid, Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und glühender Olympia-Verfechter. Die Verkehrsflächen könnten nach den Spielen wieder in Wiesen umgewandelt werden.

Wer entschädigt hinterher die Bauern?

Allerdings ist noch nicht geklärt, wer bezahlt, wenn die Bauern keine EU-Förderung mehr für ihre Wiesen bekommen oder ob es eine Entschädigung gibt, wenn es dauert, bis das Gras wieder so fett wächst wie früher. Das olympische Dorf dagegen soll über 2018 hinaus bestehen und das angestaubte Image des Touristenorts modernisieren. Eine Multifunktionshalle, ein Luxushotel oder eine Klubanlage könnte entstehen, heißt es.

Doch den Garmischern sind diese Versprechungen zu vage. Von Überrumpelungsversuchen und Informationsverweigerung wird berichtet. Der Bürgermeister wird als anmaßend kritisiert. Der gibt sich aber geläutert und optimistisch. Die ersten Verträge flatterten jetzt doch ins Rathaus. Knapp die Hälfte habe per Handschlag oder Unterschrift einem Verkauf zugestimmt.

Besser als nichts: „Ich hoffe sehr, dass dieses Thema noch vor der Sommerpause positiv erledigt sein wird“, sagte Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider. „Wenn es gewünscht wird“, wollen er oder Landwirtschaftminister Brunner selbst gern nach Garmisch fahren. Denn es sei „zu spät begonnen worden, mit den Grundstückeigentümern auf Augenhöhe zu reden“.

Auch Willy Bogner handelt ungeschickt

Aber nicht nur die Lokalpolitiker, sondern auch Willy Bogner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bewerbungsgesellschaft, zeichnet sich durch Ungeschicklichkeiten aus. Der Modeunternehmer und Ex-Skirennläufer hatte vor einer Krisensitzung von Aufsichtsrat und Gesellschaftern am Donnerstag lautstark mehr Geld für die Bewerbung gefordert: Wenn keine Sponsoren kämen, müsse eben der Staat einspringen.

Minister Schneider sieht das anders: „Wenn über Etaterhöhungen gesprochen werden soll, muss das gut begründet in den Gremien geschehen. Das ist am Donnerstag abschließend erfolgt.“ Bogners Vorstoß war Wasser auf die Mühlen der Olympia-Gegner, die vor dem hohen Preis warnen, den der Steuerzahler für die Spiele bezahlen werde.

Bogner erhält aber trotzdem mehr Geld. Der Bewerbungs-Etat wurde von 30 auf 33 Millionen Euro erhöht. Bogner wollte 37 Millionen und lobt nun säuerlich den deutschen Sparwillen. Als Erfolg kann er die Budgetanhebung trotzdem nicht verbuchen: Bogner wurden zwei Aufpasser an die Seite gestellt, und er muss jetzt noch überzeugender werben. Wirklich finanziert sind nämlich nur 22 Millionen Euro. „Aber es ist einiges in der Pipeline“, verspricht Ministerpräsident Seehofer vage.