Knapp drei Wochen ist es her, dass Südafrika bei der WM ausgeschieden ist. Als erster Gastgeber schon in der Vorrunde, welch Schmach. Und doch hörte man vor dem kleinen Finale immer wieder stolze Menschen, die mit unverhohlenem Stolz sagten: „We did it“ – wir haben es geschafft. Nie hat ein Land mit der bloßen Ausrichtung einer erfolgreichen Weltmeisterschaft so sehr triumphiert wie Südafrika, das wegen seines Kriminalitätsproblems und angeblicher ethnischer Spannungen oft als Nation im Ausnahmezustand beschrieben worden war.
Die Städte entsprechen in vielerlei Hinsicht der Infrastruktur von Industrienationen, und dennoch war die Fähigkeit immer wieder infrage gestellt worden. Nicht zuletzt von vielen Südafrikanern selbst. Doch im Laufe des Turniers relativierte sich manche voreilige Wahrnehmung. So wie sich der Unterhaltungswert der Spiele stetig verbesserte, so sehr setzte sich bei den oft von Selbstzweifeln geprägten Südafrikanern auch die Erkenntnis der eigenen Fähigkeiten durch.
Die Fähigkeit, Normalität zu leben und Außerordentliches zu leisten. Dem Land ist es gelungen, das logistisch anspruchsvollste Sportereignis der Welt zu organisieren. Ziele in anderen Bereichen wurde dagegen teilweise weit verfehlt. Bildungs- und Gesundheitssystem arbeiten uneffektiv, auch der Kampf für neue Jobs und gegen das Verbrechen ist deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Diese Bereiche sind für die Zukunft Südafrikas weit wichtiger als die Organisation des prestigeträchtigen Turniers, das ohne Frage neue Hoffnung geweckt hat. Die jahrelange Kooperation mit Sicherheitskräften und Wirtschaftsexperten anderer Länder hat neues Wissen importiert.
Die vergangenen viereinhalb Wochen waren zudem ein positives Signal an Investoren sowie die teilweise bitter benötigten Fachkräfte: Südafrika ist ein geeigneter Standort. Mit Problemen, aber mit noch mehr Potenzial und Leistungsbereitschaft. Das Land wird sich noch einige Tage sonnen im Glanz der berechtigten internationalen Anerkennung, der Rückkehr der Regenbogennation, die viele Kommentatoren gesehen haben wollen. Danach aber steigt der Druck. Viele Probleme des Landes sind in den Hintergrund getreten: Brennpunkte, wie die enormen und weiter wachsenden sozialen Unterschiede, Aggressionen gegen Wirtschaftsflüchtlinge oder eine Jugendarbeitslosigkeit von rund 50 Prozent, sind aber weiter vorhanden. Hinzu kommt: Die Erwartungshaltung der Bevölkerung wird nach der kostspieligen WM mit all ihren Versprechungen weiter steigen. Erst wenn Südafrika diese Schwächen mit der gleichen Konsequenz wie die Organisation der Fifa-Inszenierung angeht, hat es wahren Grund zu feiern. Respekt aber verdient das Land schon jetzt.

