Der diesjährige Friedensnobelpreisträger Al Gore hat bei seinem ersten Auftritt in Deutschland die Staatschefs weltweit zu verstärkten Klimaschutzbemühungen aufgefordert. "Man sollte aufhören, die Atmosphäre wie eine Kloake zu benutzen", sagte

der frühere US-Vizepräsident bei einer Veranstaltung des Energieversorgers EnBW in Berlin. Das Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll solle 2010 in Kraft treten und nicht erst 2012. Er hoffe, dass China und die USA dabei mitmachten. Gore schlug vor, dass sich die Staatschefs nach der UN-Klimakonferenz im Dezember in Bali alle drei Monate treffen. Er rief in seinem Eingangsstatement zu einem Bewusstseinswandel zugunsten nachfolgender Generationen auf: "Wir müssen unsere Augen, unser Bewusstsein und unsere Herzen öffnen." Über den weiteren Vortrag Gores durften Journalisten nicht mehr berichten.

Klimaretter unter sich

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gore hatten zuvor gemeinsam zum Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. Die Klimakrise sei bei weitem die gefährlichste Krise der Zivilisation, sagte Gore vor seinem Gespräch mit der Kanzlerin. Es sei aber auch eine große Chance. Er würdigte Merkels "politische Führerschaft" in dieser Frage. "Kanzlerin Merkel ist eine starke Stimme der Vernunft, die die Länder rund um die Welt aufruft, sich der Gefahr zu stellen und auch die Möglichkeiten zu sehen." Merkel hob den Einsatz von Gore für den Klimaschutz hervor. "Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass wir diese Herausforderung bewältigen können."

Verärgerte Berichterstatter

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestierte gegen Beschränkungen bei dem Vortrag Gores zu seinem Film "Eine unbequeme Wahrheit". "Das ist ein klarer Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Journalisten durften nicht über den Vortrag selbst berichten. Auch Bilder und Originaltöne waren nicht gestattet. Nur eine etwa zehnminütige Äußerung war frei für die Berichterstattung.

Gore entkräftet Kritik an Gage

EnBW wollte sich zu Spekulationen über ein Honorar von knapp 200.000 Dollar (rund 141.000 Euro) nicht äußern und

verwies darauf, dass die Beschränkungen auf die Agentur Al Gores zurückgingen. Gore erklärte, er werde das Honorar für seinen Vortrag dem Bündnis für Klimaschutz spenden. Dabei handelt es sich um eine überparteiliche, gemeinnützige Organisation, die in den USA und weltweit das Bewusstsein für die Dringlichkeit des Klimaproblems schärfen will.

dpa/hq