Tillich-Affäre

Biedenkopf wirft CDU zu wenig DDR-Kenntnis vor

Der langjährige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hat die Kritik an seinem Nachfolger Stanislaw Tillich als "beschämend und unwürdig" bezeichnet. Viele derjenigen, die Tillich seine Funktionärstätigkeit zu DDR-Zeiten vorwürfen, hätten selbst keine Erfahrungen mit den Lebensbedingungen in der DDR.

Foto: picture-alliance / Sven Simon / picture-alliance

Die CDU-Politiker Kurt Biedenkopf und Arnold Vaatz haben den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich gegen Vorwürfe wegen seiner DDR-Vergangenheit in Schutz genommen. Der ehemalige Dresdner Regierungschef Biedenkopf sprach in der "Sächsischen Zeitung“ von einer beschämenden und unwürdigen Debatte. Viele der daran Beteiligten hätten keine Vorstellung davon, unter welchen Bedingungen die Menschen im SED-Staat wirklich gelebt hätten.

Der Bundestagsabgeordnete Vaatz warf im Südwestrundfunk der SPD vor, hinter den Vorwürfen gegen Tillich zu stecken. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag sagte, damit wolle die SPD ihren Spielraum in Ostdeutschland erweitern und eine mögliche Koalition mit den Linken weniger anrüchig machen. Dass CDU und SED gleich gewesen seien, sei aber vollkommen absurd, wird Vaatz weiter zitiert. Nicht die CDU habe die SED gleichgeschaltet, sondern die SED die CDU.

Die CDU wollte sich am späten Dienstagmittag auf ihrem Bundesparteitag in Stuttgart mit dem Thema befassen. Der Antrag "Geteilt. Vereint. Gemeinsam. Perspektiven für den Osten Deutschlands“ befasst sich auch mit der CDU-Vergangenheit als Blockpartei in der DDR. Dazu heißt es in dem Antrag selbstkritisch: "Gleichwohl hat die CDU in der DDR im totalitären System der SED-Diktatur mitgewirkt.“

Tillich wird vorgeworfen, mit Mandat der CDU-Blockpartei vor dem Mauerfall eine Führungsfunktion auf Kreisebene übernommen zu haben, was erst vor kurzem bekannt wurde. Sein Vorvorgänger Biedenkopf kritisierte, die Debatte werde „in den Medien überwiegend von Westdeutschen bestritten“, die keine Kenntnis von den tatsächlichen Bedingungen in der DDR hätten.

„Es ist der in Westdeutschland, vor allem in den Medien, noch immer vorhandene Anspruch derer, denen seit 1945 das Glück zu Teil wurde, in Freiheit zu leben, über die Biografien derjenigen zu urteilen, denen dieses Glück nicht beschieden war“, wird Biedenkopf zitiert. Derartige Urteile spalteten eher das Land, als dass sie die Deutschen in Ost und West zusammenführten.

Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld vertrat im NDR die Ansicht, in der Ost-CDU stecke nicht mehr sehr viel DDR. Die CDU in Ostdeutschland sei eine der Blockparteien gewesen, habe sich aber nach der Vereinigung mit der West-CDU einem Selbstreinigungsprozess unterzogen.

Allerdings habe sie das Argument noch nie überzeugt, dass man Verständnis für DDR-Biografien haben solle. „Man kann auch in einer Diktatur anständig bleiben. Niemand war gezwungen, mit der Staatssicherheit zusammenzuarbeiten“, sagte Lengsfeld. Wenn Tillich indes einen Lehrgang absolviert habe, wie er in der DDR auch für die unteren Funktionsträger Pflicht gewesen sei, sei das nicht zu kritisieren.

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