Muslime vs. Christen

Niemand darf die religiöse Freiheit einschränken

Islamische Länder machen es den Christen nicht leicht. Viele fordern deshalb, man solle nur dann die Errichtung von Moscheen erlauben, wenn im Heimatland der in Europa ansässigen Muslime auch Kirchen gebaut werden dürfen. Diese Forderung ist vielleicht verständlich, sie widerspricht jedoch dem Grundgesetz.

Eines der am meisten diskutierten Ereignisse der letzten Zeit war die Mehrheitsentscheidung in der Schweiz, keine Minarette mehr zuzulassen. Das geschah ausgerechnet in einem Land, das zu den führenden Demokratien der Erde zählt und wegen seiner religiösen Toleranz berühmt ist.

Das eidgenössische Votum ist zwar in vielen internationalen Kreisen auf Unverständnis gestoßen; es wurden aber auch Stimmen laut, die behaupteten, das Ergebnis wäre anderswo ähnlich, wenn es dort Volksentscheide gäbe. Solche Vermutungen entsprechen wahrscheinlich der Realität.

Fast überall, wo es Zuwanderung aus der muslimischen Welt gibt, versteht die Mehrheit der Bevölkerung nicht, weshalb in ihrer Heimat islamische Gotteshäuser entstehen, während etwa christliche Kultbauten in vielen dieser Staaten nicht errichtet werden dürfen, ja Christen und sonstige Andersgläubige dort oft drangsaliert werden.

Warum, so fragt sich mancher, kann hierzulande jeder, der das will, seinen Glauben wechseln, also natürlich auch Muslim werden, während in manchen Staaten die Abkehr vom muslimischen Glauben, also die Konversion zu einer anderen Religion oder zum Atheismus, mit dem Tode bestraft wird? Viele fordern deshalb, man solle nur dann die Errichtung von Moscheen – mit oder ohne Minarette – erlauben, wenn im Heimatland der hier ansässigen Muslime auch Kirchen gebaut werden dürfen.

Ein solches Verlangen ist verständlich. Es widerspricht aber dem Sinn unseres elementaren Verständnisses von einer offenen, liberalen Gesellschaft. In Deutschland und in anderen Staaten mit ähnlichen Verfassungen sind freie Religionswahl und Freiheiten unverzichtbare Selbstverständlichkeiten.

Wenn gelegentlich dagegen verstoßen wird, ist die Bestürzung besonders groß. Darum war man empört, als bekannt wurde, dass Vertreter der Vereinigten Staaten im irakischen Gefängnis Abu Ghraib und in dem auf Kuba gelegenen Lager Guantánamo die Rechte von Gefangenen missachteten. Darum war man auch so erstaunt, als man erfuhr, dass israelische Soldaten bei ihrem berechtigten Angriff auf Gaza zu wenig Rücksicht auf arabische Zivilisten nahmen.

Es ist kein Zufall, dass Präsident Barack Obama nun eine Misshandlung von Gefangenen nicht mehr zulassen will. Und es ist begreiflich, dass israelische Bürgerrechtler – und nicht nur diese – eine Änderung der Haltung ihrer Regierung gegenüber den Palästinensern erreichen wollen.

Im deutschen Grundgesetz heißt es: „Die Freiheit der religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisse ist unverletzlich“ und „niemand darf wegen seines … Glaubens, seiner religiösen … Anschauungen benachteiligt werden“. Da gibt es kein Quidproquo (Wie du mir, so ich dir), kein „du darfst bei uns Moscheen bauen, wenn auch wir bei dir zu Hause Kirchen errichten dürfen“. Die religiöse, wie jede andere Freiheit – also auch der Bau von Gotteshäusern –, ist bei uns absolut, bedingungs- und vorbehaltlos. Daran sollten wir nicht rütteln, auch wenn andere darüber grundverschieden denken.

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