Nach ihrer Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ist die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu einem Gespräch gebeten worden. „Ich habe Frau Käßmann eingeladen, ein Gespräch mit mir zu führen. Ich will zunächst einmal selbst von der Bischöfin im Zusammenhang hören, wie sie zu dieser Einschätzung gekommen ist“, sagte Guttenberg der „Leipziger Volkszeitung“.

Ein Termin für das Treffen steht aber noch nicht fest, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Käßmann ist mit einem solchen Treffen einverstanden: Auf Anfrage von Morgenpost Online erklärte der Pressesprecher der EKD, Reinhard Mawick, die Bischöfin sei zu einem vertraulichen Gespräch mit dem Verteidigungsminister über den Afghanistan-Einsatz bereit.

Käßmann hatte in ihrer Neujahrspredigt unter anderem gesagt: „Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan“. Ein Regierungssprecher stellte daraufhin am Montag „Meinungsverschiedenheiten“ zwischen der EKD und der Bundesregierung festgestellt.

Die Bischöfin wiederum wies die teils harsche Kritik an ihren Worten zurück und betonte, sie habe nie einen sofortigen Abzug der deutschen Soldaten gefordert, wohl aber einen Plan für diesen Abzug.

„Entscheidend ist, dass unsere Soldaten den breiten Rückhalt in der Bevölkerung spüren“, sagte Guttenberg der „LVZ“. Er zeigte sich „dankbar“ für die Militärseelsorge beider Kirchen in Afghanistan. „Ich bin mir sicher, dass Frau Käßmann das sicherlich nicht herabgewürdigt sehen will“, fügte Guttenberg hinzu.

Unterstützung bekam Käßmann von Alice Schwarzer. Die „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer (66) erklärte, Käßmann werde zurzeit von rechten bis linken Politikern für eine Selbstverständlichkeit gescholten. Dass das Oberhaupt einer deutschen Kirche vor einem Krieg warne und zu einem klaren Friedenszeugnis aufrufe, sei das mindeste, was zu erwarten sei, schrieb die Feministin in einem offenen Brief auf ihrer Homepage aliceschwarzer.de.

Schwarzer ermutigte die Bischöfin, sich vom teils scharfen Widerspruch nicht beirren zu lassen. Es sei keineswegs „naiv“, wenn Käßmann darauf aufmerksam mache, dass Deutschland nach den USA und Großbritannien drittgrößte Streitmacht in Afghanistan und drittgrößter Rüstungsexporteur weltweit sei.

„Und wie gut, dass Sie neben den afghanischen Opfern auch an die anscheinend vergessenen traumatisierten deutschen Soldatinnen und Soldaten erinnern“, schrieb Schwarzer.

AFP/EPD/cn