Der Konflikt um den ehemaligen Augsburger Bischof Walter Mixa treibt einem neuen dramatischen Höhepunkt entgegen. Nun wird der am 8. Mai vom Papst aus dem Amt entlassene Geistliche von der Kirche auch noch als unglaubwürdig eingestuft. Das legen Reaktionen aus dem Episkopat auf das Interview nahe, das Mixa Morgenpost Online gegeben hat.
Die Bayerische Bischofskonferenz wehrte sich außerdem energisch gegen die Deutung, Mixas Rücktritt am 21. April sei unter Druck erfolgt. "Es ist alles rechtmäßig gelaufen", beteuerte ihr Pressesprecher Bernhard Kellner. "Nicht zuletzt zum Schutz von Bischof em. Mixa sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten. Wir wünschen ihm gute Genesung."
Der Aufenthalt des emeritierten Bischofs in einer psychiatrischen Klinik sei ein "erster wichtiger Schritt" gewesen. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte Morgenpost Online: "Dieser Erklärung ist nichts hinzuzufügen."
Kein zeitlicher Druck
In einem nur zwei Sätze umfassenden Statement dementierte der nach Mixas Demission zum Diözesanadministrator gewählte Weihbischof Josef Grünwald "ausdrücklich", dass das Augsburger Bistum den gegen Mixa erhobenen Vorwurf des sexuellen Missbrauchs an die Öffentlichkeit gegeben habe: "Außerdem war der an die Staatsanwaltschaft gegebene Anfangsverdacht zum Zeitpunkt der Rücktrittserklärung durch Bischof Walter Mixa der Diözese Augsburg noch nicht bekannt." Von der Staatsanwaltschaft wurden die eingeleiteten Vorermittlungen nach wenigen Tagen eingestellt, der Verdacht war unhaltbar.
Die Erzbischöfe Robert Zollitsch und Reinhard Marx, denen Mixa wenig brüderliches Verhalten vorgeworfen hatte, weil sie "zum Papst geeilt" seien und ihm "als Trumpf den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen" hätten, hielten sich am Mittwoch mit persönlichen Stellungnahmen zurück. Aus informierten Kirchenkreisen verlautet, dass Mixas Rücktrittsgesuch zumindest nicht unter zeitlichem Druck zustande gekommen ist. Mit dem Bischof sei "stundenlang gesprochen" worden.
Und es geht die Rede, dass noch einiges an Vorwürfen nachgeschoben werden soll, falls Mixa mit weiterer Kritik an Bistumsleitung und den Erzbischöfen Zollitsch und Marx fortfährt. Schon vor Wochen wurden gezielt Gerüchte über eine zu große Nähe zu Priesterseminaristen und eine Alkoholabhängigkeit des früheren Augsburger Oberhirten und ehemaligen Militärbischofs gestreut.
Es gebe leider immer wieder Menschen, die ihrer Aufgabe in der Kirche nicht genügten, hatte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann am 8. Mai im ZDF gesagt und hinzugefügt, er müsse gestehen, von Gerüchten über Mixas Lebenswandel gehört zu haben, aber "die waren in Teilen so unbestimmt und verunglimpfend, dass ich mir selbst kein Bild machen konnte".
Psychisch "angeknackst"
Die Einbeziehung solcher Vermutungen in den aktuellen Konflikt würde zu einer weiteren Eskalation der Causa Mixa führen - ein Vorgang ohne Beispiel in der Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland.
Deshalb wird in Bischofskreisen mit Spannung erwartet, ob Mixa seinen erwogenen Schritt wahr macht, seinen Rücktritt vor das päpstliche Appellationsgericht zu tragen. Im Juli wird er Papst Benedikt XVI. treffen, der ihm theologisch sehr nahesteht.
"Papst Benedikt XVI. wird Walter Mixa in den kommenden Wochen empfangen", bestätigte am Mittwoch Vatikan-Sprecher Lombardi, "es ist aber nicht absehbar, dass die Annahme seines Rücktritts zur Diskussion gestellt wird". Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, Helmut Mangold, hält einen Gang zum Appellationsgerichtshof "nicht für realistisch". Der Papst, meint Mangold, habe sicher nicht leichtfertig dem Rücktritt zugestimmt, von Druck könne nicht die Rede sein. Gleichwohl ist der Diözesanratsvorsitzende dafür, dass Mixa wieder eine Seelsorgearbeit übertragen wird: Im Augenblick aber sei der 69-Jährige "psychisch sehr angeknackst".
Mit hochgezogenen Augenbrauen reagiert man derweil im Umfeld der römischer Kurie. Walter Brandmüller, Geschichtsprofessor und ehemaliger Chefhistoriker des Vatikans, sagte Morgenpost Online: "Wie zahlreiche Äußerungen zu den Vorgängen erkennen lassen, ist hier ein Richtungsstreit im Gange, in dem sogenannte Konservative mit sogenannten Liberalen hart aufeinanderstoßen."
Es müsse allerdings erschrecken, "dass mit der im Fall Augsburg angewandten Methode von nun an jeder missliebige kirchliche Amtsträger im Handumdrehen durch bloße Verdächtigungen diskreditiert und erledigt werden kann", bewertet Brandmüller.
Mitarbeit Paul Badde




