Die BP-Ölpest wird Amerikas Umweltbewusstsein so nachhaltig verändern wie die Anschläge vom 11. September 2001 auf die Twin-Towers sich in seinem Sicherheitsempfinden einprägten. Mit dieser Prophezeiung hat US-Präsident Barack Obama die seit bald zwei Monaten wütenden Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko in die Reihe der prägenden Geschichtslektionen der USA gerückt und das politische wie psychologische Terrain für seine TV-Ansprache am Dienstagabend bestellt.
„In derselben Weise, wie unsere Verwundbarkeiten und unsere Außenpolitik profund von '9/11' geprägt wurde“, erklärte Obama gegenüber der Zeitung „Politico“, wird das Desaster die Art, wie wir über die Umwelt und Energie denken, auf Jahre hinaus prägen.“ Die erste TV-Ansprache Barack Obamas aus dem Oval Office soll seinen vierten Besuch seit dem 20. April an der Golfküste abschließen und die Initiative für die der größten Umwelt-Katastrophe der US-Geschichte ohnmächtig wirkende Regierung zurückgewinnen.
Am Montag war der Präsident zu einer Reise durch Mississippi, Alabama und Florida aufgebrochen. In der Rede am Dienstag wird Obama dem Vernehmen nach von BP verlangen, einen treuhänderisch verwalteten, mit Milliarden Dollar ausgestatteten Hilfsfonds einzurichten, um eine Verschleppung von Schadensersatz zu verhindern. Am Mittwoch wird der Präsident den BP-Aufsichtsratsvorsitzenden Carl-Henric Svanberg und BP-Chef Tony Hayward empfangen.
Die Führungsgremien des Konzerns wollten gestern beraten, ob die geplante Dividendenzahlung in Höhe von 10,5 Milliarden Dollar verringert oder ganz ausgesetzt werden soll. Es wird erwartet, dass die BP-Führung ihre Entscheidung erst nach dem Treffen mit Barack Obama bekannt geben wird.
In der US-Regierung war in den vergangenen Tagen geprüft worden, ob über die die rechtlichen Mittel verfügt, die Dividendenzahlung eines ausländischen Unternehmens zu verbieten oder die Einrichtung des Treuhand-Fonds zu erzwingen. Unabhängige Experten halten dies für zweifelhaft und eher geeignet, den Eindruck der Ohnmacht zu verstärken.
Auch die gereizte, teilweise grobe Rhetorik gegenüber BP und Tony Hayward, den er „feuern“ würde, arbeitete er für die Regierung, hatte nicht mehr bewirkt als eine Verstimmung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien. In einem 30 Minuten langen Telefonat mit dem britischen Premierminister David Cameron bemühte sich Obama, den Anschein von antibritischem Sentiment zu mildern.
In Großbritannien hatte es wachsende Kritik an dem scharfen US-Ton gegen BP gegeben. Viele fürchten, dass das Ansehen des Landes insgesamt beschädigt werden könnte. BP sei ein multinationaler Konzern, soll Obama betont haben, mit „nationaler Identität“ hätten die Frustrationen der USA nichts zu tun. Nach Ansicht der Briten würde es schon helfen, wenn Obama und andere US-Politiker aufhörten, von „British Petroleum“ zu sprechen. Der Konzern führe diesen Namen seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.
Selbst eine gemäßigte Rhetorik Barack Obamas wird jedoch nichts daran ändert, dass nach neuen Schätzungen bis zum halbwegs erfolgreichen Aufsetzen einer Kappe, durch die ein Teil des Öls in Schiffe gepumpt wird, täglich 6,5 Millionen Liter Rohöl in die Tiefen des Golfs strömten. Frühestens Anfang August kann die erste von zwei Entlastungsbohrungen ihr Ziel erreichen. Viel hängt davon ab, ob große Stürme, die alle Arbeiten unterbrechen würden, den Golf verschonen. Meteorologen sagen eine turbulente Hurrikan-Saison voraus.















