Eigentlich sollte Barack Obama den Sommer damit verbringen, die amerikanische Wirtschaft anzukurbeln, die Finanzmarkt-Reform durch den Kongress zu bringen und ins Ausland zu reisen. Aber das Öl, das trotz wochenlanger Bemühungen von BP immer noch vom Boden des Golfs von Mexiko hochsteigt, hat die Planung des Präsidenten hinweggeschwemmt: Die Katastrophe ist jetzt das Hauptthema seiner öffentlichen Auftritte und auch die Staatsbesuche in Indonesien und Australien sind abgesagt. Stattdessen reiste Obama am Freitag zum dritten Mal an die Golfküste, um Bürger zu trösten und ihnen Hilfe zuzusichern.

Die neuen Prioritäten spiegeln die massive Kritik an Obamas Reaktion auf die Katastrophe wieder. In Umfragen schneidet der Präsident inzwischen nur wenig besser als BP selbst ab: 63 Prozent der Amerikaner sind laut einer CBS-Umfrage der Meinung, dass er mehr unternehmen sollte, bei BP sind es 70 Prozent.

Zwar trägt Obama nicht persönlich die Schuld für das Unglück. Experten zufolge klebt aber politisch gesehen das Öl auch an seinen Händen. „Es geschieht während seiner Amtszeit“, sagt Merle Black von der Emory University in Atlanta. „So ist das halt immer.“

Für Obamas Demokraten ist das ein Problem. Im November stehen Kongresswahlen an, das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats werden neu bestimmt. Die Partei eines neuen Präsidenten muss bei diesen Zwischenwahlen ohnehin immer mit Verlusten rechnen.

Die wirtschaftlichen Probleme und die Arbeitslosigkeit dürften die Demokraten zusätzlich unter Druck setzen. Eine langanhaltende Ölpest könnte zudem das Gefühl in der Bevölkerung verstärken, dass die großen Institutionen des Landes wie die Regierung in Washington nicht funktionieren, sagt William Galston von der Brookings Institution. „Ich finde es schwer zu glauben, dass das gut für die Amtsinhaber wäre.“

Jetzt kommt es darauf an, wie schnell die Ölpest besiegt werden kann. Noch hält sich die Zustimmung zu Obamas gesamter Arbeit bei 47 Prozent. Die Republikaner haben mit ihren traditionell guten Verbindungen zu der Ölindustrie eigene Probleme.

Sollte es aber langfristige Folgen geben, sollte das Öl gar um Florida herum zur Ostküste der USA ziehen, könnte für Obama „die Situation fürchterlich werden“, sagt Black.

Reuters/ks