Die griechischen Staatsbediensteten wollen mit einem 48-stündigen landesweiten Streik gegen die verschärften Sparpläne der Regierung protestieren und weite Teile des öffentlichen Lebens lahmlegen.

Ministerien und Steuerbehörden blieben bereits geschlossen, auch Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern legten ihre Arbeit nieder.

Tausende Demonstranten versammelten sich zu einer Protestkundgebung vor dem Parlamentsgebäude im Zentrum der Hauptstadt Athen.

Rund 100 aufgebrachte Lehrer versuchten nach der zunächst friedlich verlaufenen Demonstration, Absperrungen zu durchbrechen und bis zum Eingang des Parlamentsgebäudes vorzudringen. Sie bewarfen die Polizei mit Flaschen und Steinen.

Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben, wie Augenzeugen berichteten.

Alle Flüge von und nach Griechenland würden gestrichen. Öffentliche Verkehrsmittel würden die meiste Zeit des Tages nicht eingesetzt und Krankenhäuser arbeiteten lediglich mit einem Rumpfpersonal. Das trifft Griechenland besonders hart, da das Land auf den Tourismus angewiesen ist. Auch in der Hafenstadt Thessaloniki und in Heraklion auf Kreta demonstrieren Staatsbedienstete.

Urlauber müssen nach Einschätzung des ADAC in nächster Zeit mit deutlichen Einschränkungen im Alltagsleben rechnen.

Veranstaltergäste, die in Kürze nach Griechenland reisen wollen, sollten unbedingt Kontakt mit ihrem Reiseanbieter halten, rät der Automobilclub. Wenn sich abzeichnen sollte, dass eine Reise zum Beispiel wegen eines Streiks nicht angetreten werden kann, bestehe für die Gäste ein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt.

Sollte es dazu kommen, dass Touristen in Griechenland festsitzen, könnten viele von ihnen auf Unterstützung bauen. So seien zum Beispiel die Fluggesellschaften verpflichtet, die Verpflegung und Unterbringung von Passagieren zu organisieren.

Am Mittwoch wird mit einem neuen Höhepunkt der seit Wochen andauernden Kraftprobe zwischen den Gewerkschaften und der Regierung gerechnet. Die Fluglotsen wollen den Luftraum über Griechenland komplett schließen.

Alle Flüge von und nach Griechenland würden ausfallen, teilten die Fluglinien mit. „Ich denke, dies wird einer der größten Proteste des vergangenen Jahrzehnts“, sagte der Chef der größten Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes, Spyros Papaspyros.

„Wir verlangen, dass der freie Fall unseres Lebensstandards ein Ende hat.“ Wie es aus Kreisen der Gewerkschaften des staatlichen Bereichs und des Privatsektors hieß, werde alles, was man an Mitgliedern hat, mobilisiert, um das Stadtzentrum Athens mit Demonstranten zu „überfluten“.

Auch viele Geschäftsinhaber wollen ihre Läden schließen. Sie warnen davor, dass die Wirtschaft mit den Sparmaßnahmen „abgewürgt“ und in den Ruin getrieben würde.

Die Regierung in Athen wird nicht müde zu antworten: „Wir haben kein Geld.“ Die Zukunft des Landes stehe auf dem Spiel. Alle müssten sich jetzt zurückhalten und keine Forderungen stellen.

Die Politik in Deutschland konzentriert sich derweil auf die Beratungen über die Griechenland-Hilfen. Der Bundestag wird über das Rettungspaket beraten. Zu Beginn der Sitzung will Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Regierungserklärung abgeben.

Bereits am Freitag soll das Gesetz im Bundestag verabschiedet werden und noch am gleichen Tag den Bundesrat passieren. Das deutsche Rettungspaket sieht Hilfen von 8,4 Milliarden Euro in diesem Jahr sowie weitere 14 Milliarden in den beiden kommenden Jahren vor.

Die SPD will ihr Abstimmungsverhalten ebenfalls am Mittwoch klären. Auch wenn die geforderte Finanzmarkt-Transaktionssteuer nicht kommen sollte, könnte die SPD zustimmen.

Die Positionierung zu dem Gesetz hänge von einer „Gesamtwürdigung“ der Verhandlungsergebnisse mit der Koalition ab, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Seine Fraktion werde – so oder so – „geschlossen abstimmen“.

Die Bundesregierung will eine geordnete Insolvenz auch für Staaten der EU ermöglichen. Über diese und andere Maßnahmen zur Kontrolle der Finanzmärkte berieten die Bundestagsfraktionen. Der Entschließungsantrag solle am Freitag parallel zu dem Rettungspaket im Bundestag verabschiedet werden, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder.