Handball-Nationaltrainer Heiner Brand will sich trotz seiner Berufung zum Wahlmann der Sozialdemokraten nicht auf SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan festlegen. „Ich habe eigentlich nie gesagt, dass ich Frau Schwan wählen will“, sagte Brand am Sonntag in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. Er wolle sich vor der Wahl nicht öffentlich zu seiner Entscheidung äußern.
Der 56-jährige Trainer aus Gummersbach wird von der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen in die Bundesversammlung entsandt, die am 23. Mai das neue Staatsoberhaupt wählt. Über Brand heißt es, er habe schon früher Sympathien für Amtsinhaber Horst Köhler erkennen lassen.
Schwan ist für eine Wahl nicht nur auf ein geschlossenes Votum von SPD und Grünen, sondern auch auf Abweichler aus dem bürgerlichen Lager angewiesen. Auf die Zweifel Brands reagierte sie gelassen und doch kämpferisch. „Die SPD hat im Geiste der Bundesversammlung Personen aufgestellt, die nicht einfach Parteisoldaten sind“, sagte die Kandidatin dem ZDF. „Ich denke, es wird mir gelingen, all die auch zu gewinnen.“
Brand rechnet nicht damit, dass seine Entscheidung politisch beeinflusst wird: „Ich habe bisher noch keinen Kontakt mit der SPD-Landtagsfraktion, von denen ich als Wahlmann vorgeschlagen worden bin, und ich gehe auch nicht davon aus, dass man Druck auf mich ausübt, sondern dass man sagt, dass das eine Gewissensentscheidung des jeweiligen Wahlmannes ist.“
Sollte Brand tatsächlich nicht für Schwan stimmen, wäre dies kein Einzelfall. Unter den prominenten Wahlmännern und -frauen, die nicht aus der Politik stammen, gab es in der Vergangenheit immer wieder abweichende Stimmabgaben. Zu den bekanntesten zählt Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Die von der CSU entsandte Adelige hatte 2004 die unterlegene SPD-Kandidatin Schwan nach der Bundespräsidentenwahl umarmt und mit den Worten getröstet: „Sie sind eine wunderbare Frau. Ich habe Sie gewählt!“
Damals wurde zwar trotzdem Horst Köhler im ersten Wahlgang zum Staatsoberhaupt gewählt, ihm fehlten aber mindestens 18 Stimmen aus dem Lager von Union und FDP. Fürstin Gloria wird seither nach eigenen Worten nicht mehr zu Terminen der bayerischen Staatsregierung eingeladen.





