Bei einem unverhofften Zusammentreffen in China hat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den bayerischen Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Show gestohlen. Bei Seehofers Besuch in der Partnerprovinz Shandong setzte die örtliche Kommunistische Partei am Mittwoch zur Überraschung der bayerischen Delegation einen gemeinsamen Begrüßungstermin für Schröder, Seehofer und andere internationale Gäste an.
Schröder wurde vom Parteisekretär Jiang Yikang als „großer Freund des chinesischen Volks“ begrüßt und erwiderte die warmen Worte mit vergnügtem Grinsen: „Ich darf sagen, und das ist ein absolutes Novum: auch im Namen des bayerischen Ministerpräsidenten.“
Sowohl Schröder als auch Seehofer nehmen am Donnerstag an einer Konferenz über erneuerbare Energien in der Hafenstadt Qingdao teil. Seehofer blieb in der Rede des Parteisekretärs unerwähnt. Seehofer kam anschließend auch nicht zu Wort, nahm es aber sportlich: „Das haben wir untereinander besprochen“, sagte er über den Ablauf des Treffens. Deutsche Politiker sollten viel konzilianter miteinander umgehen, „nicht so beinhart“.
Schröder seinerseits betonte die Gemeinsamkeiten: „Was die Bedeutung der Beziehungen zu China betrifft, gibt es keinerlei Unterschiede zwischen den politischen Parteien.“ Seehofer scherzte anschließend über die Perspektiven einer Zusammenarbeit mit dem Ex-Kanzler: „Wir sind der Meinung, dass wir viel miteinander leisten würden.“
Ansonsten wurde Seehofer in Shandong mit großem Aufwand empfangen: Nach der Ankunft am Flughafen der Hafenstadt Qingdao – der ehemaligen deutschen Kolonie Tsingtau – sperrte die Polizei sämtliche Straßen auf dem Weg ins Luxushotel Shangri-La. Die Seehofer-Delegation rauschte ungestört vom normalerweise chaotischen Verkehr durch die Millionenmetropole an der Küste des Chinesischen Meers. „In der Provinz ist das möglich, in Peking nicht mehr“, sagte Seehofer dazu.
Zuvor entdeckte der CSU-Chef eine innere Verwandtschaft Bayerns mit dem Reich der Mitte. „Auf der einen Seite Verwurzelung in Tradition und Brauchtum, auf der anderen Seite die Hinwendung zur Zukunft“, sagte Seehofer am Mittwoch bei einer ersten Zwischenbilanz seines fünftägigen Besuchs. Seehofer will künftig häufiger nach China fahren. Bisher hätten seine Vorgänger in Abständen von sieben, acht Jahren das Land besucht. „Wir müssen die Schlagzahl erhöhen.“
dpa/ks





